{"id":9316,"date":"2022-05-10T12:24:58","date_gmt":"2022-05-10T10:24:58","guid":{"rendered":"https:\/\/gruene-bremen.de\/?p=9316"},"modified":"2022-05-10T16:35:34","modified_gmt":"2022-05-10T14:35:34","slug":"gerechte-bildung-fuer-das-21-jahrhundert-warum-wir-unsere-schulen-besser-machen-muessen-und-wie-wir-sie-besser-machen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress44.gcms.verdigado.net\/alteseite\/gerechte-bildung-fuer-das-21-jahrhundert-warum-wir-unsere-schulen-besser-machen-muessen-und-wie-wir-sie-besser-machen-koennen\/","title":{"rendered":"Gerechte Bildung f\u00fcr das 21. Jahrhundert &#8211; warum wir unsere Schulen besser machen m\u00fcssen und wie wir sie besser machen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p><em>Beschluss des Landesvorstands, 09.05.2022, gem\u00e4\u00df dem Mitgliedervotum vom 30.04.2022<\/em><\/p>\n<p><strong>Positionen und Einordnung zur Bildungspolitik von B\u00fcndnis 90\/Die GR\u00dcNEN Bremen<\/strong><\/p>\n<p>Vorwort<\/p>\n<p>Die im Fr\u00fchjahr 2021 eingesetzte Bildungskommission von B\u00fcndnis 90\/Die GR\u00dcNEN Bremen hat es sich zum Auftrag gemacht, \u00fcber neue Ziele und Wege f\u00fcr eine gerechte Bildung im 21. Jahrhundert nachzudenken.<\/p>\n<p>Dieser Bericht ist in einer Phase entstanden, wo wir in Deutschland, Europa, aber auch der ganzen Welt von mehreren Krisen gleichzeitig getroffen worden sind, die unser gesellschaftliches Zusammenleben aufs Empfindlichste gest\u00f6rt haben und neu ordnen werden. Mit der Corona-Pandemie und dem teilweise kompletten Wegfall von KiTa und Schule sind bildungspolitische Fragen sowie die Bedeutsamkeit f\u00fcr die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in ein neues Licht ger\u00fcckt worden. W\u00e4hrend der Kommissionsarbeit wurde eine neue Bundesregierung gew\u00e4hlt, die die Hoffnung zul\u00e4sst, dass sich in den n\u00e4chsten Jahren in der Bildungspolitik mehr finanzielles Engagement der Bundesregierung mit einem Kooperationsgebot zwischen Bund und L\u00e4ndern zu erhoffen ist. Und nicht zuletzt mit dem v\u00f6lkerrechtswidrigen Einmarsch Putins in die Ukraine werden wir in den kommenden Jahren nicht nur durch Krieg ausgel\u00f6ste neue Fluchtbewegungen haben und vielen Kindern und Jugendlichen hier in Deutschland eine neue Heimat bieten, sondern auch unser wirtschaftliches Zusammenleben in einer globalisierten Welt \u00fcberdenken m\u00fcssen. Die Bedeutsamkeit von guter und gerechter Bildung wird durch all diese Krisen nicht kleiner, im Gegenteil, sie wird nur gr\u00f6\u00dfer. Das nehmen wir als Anlass f\u00fcr diesen Bericht. Gleichwohl ist auch klar, dass die Aufnahme Gefl\u00fcchteter aus der Ukraine unser Schul- und Kitasystem stark fordern wird. Es w\u00e4re aber falsch, vor dem Hintergrund der tagesaktuellen Herausforderungen nicht \u00fcber das grunds\u00e4tzliche und ferne Ziel von Bildung zu sprechen. Genau dies wollen wir in diesem Bericht tun und der Aufbruchsstimmung Rechnung tragen, die in vielen Schulen trotz all dieser Herausforderungen entstanden ist. Was wir auch in den vergangenen Monaten gesp\u00fcrt haben, ist ein neuer Aufbruch an unseren Schulen. Ein Aufbruch, der auf kreative und innovative Ideen setzt.<\/p>\n<p>Unsere Leitfrage dabei ist: Wie k\u00f6nnen wir gew\u00e4hrleisten, dass alle Kinder und Jugendlichen zu ihrem Recht auf gute Bildung kommen und somit auch das Vertrauen, das die Eltern Schulen geben, rechtfertigen?<\/p>\n<p>Wir legen mit diesem Papier einen Umriss einer (selbst-)kritischen Auseinandersetzung mit der Bildungspolitik f\u00fcr Bremen und Bremerhaven vor. Wir zeigen auf, wie eine zukunftsf\u00e4hige Bildung aussehen kann, die Bildungsgerechtigkeit real werden l\u00e4sst und blicken daf\u00fcr auch \u00fcber den Status quo hinaus. Wir wollen damit in einen Dialog mit den Menschen in unserem Bundesland treten, der vom Respekt vor denen, die jeden Tag unsere Bildungslandschaft gerechter und besser machen wollen, gepr\u00e4gt ist. Wir wollen herausstellen, welche zuk\u00fcnftigen Herausforderungen sich aufdr\u00e4ngen und wie wir sie bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit diesem Papier wollen wir mehr Menschen dazu ermutigen, Teil eines bildungspolitischen Aufbruchs in unserer Gesellschaft zu werden. Denn all die Ma\u00dfnahmen, die auf den kommenden Seiten beschrieben werden, werden nur umsetzbar werden, wenn wir gemeinsam als Eltern, Lehrkr\u00e4fte, Menschen, die sich f\u00fcr Gerechtigkeit oder Beh\u00f6rdenmitarbeitenden uns daf\u00fcr einsetzen. Lasst uns also jetzt mutig sein, lasst uns dar\u00fcber diskutieren, wie der beste Weg ausschauen kann, sonst wird uns die Realit\u00e4t \u00fcberholen.<\/p>\n<ul>\n<li>I. Wo wir herkommen und wo wir hinwollen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Seit 2007 haben wir die M\u00f6glichkeit, die bremische Bildungspolitik in der Regierung mitzugestalten. Dabei haben wir uns mit der Einf\u00fchrung einer inklusiven Beschulung auf den Weg gemacht, die Mehrgliedrigkeit in unserem Schulsystem hinter uns zu lassen. Wir wollten damit die ersten Schritte f\u00fcr ein wirklich inklusives Bildungssystem gehen, das bei den Potenzialen der Kinder und Jugendlichen und nicht bei seinen Erwartungen ansetzt. Jedes Kind soll, so wie es ist, willkommen sein. Wir haben die gro\u00dfe Herausforderung der Einf\u00fchrung eines gebundenen Ganztagsschulsystems in Angriff genommen. Wir Gr\u00fcne haben uns 2007 f\u00fcr den Bremer Schulkonsens eingesetzt und in den Verhandlungen daf\u00fcr gesorgt, dass wichtige gr\u00fcne Positionen auch partei\u00fcbergreifend Eingang gefunden haben.<\/p>\n<p>Der Schulkonsens und seine Fortf\u00fchrung haben die Debatten um Ver\u00e4nderungen der Schulstruktur ein St\u00fcck weit beruhigt, Eltern und Lehrkr\u00e4ften Stabilit\u00e4t gegeben. Gleichzeitig werden durch den partei\u00fcbergreifenden Kompromiss des Schulkonsenses wichtige Grundsatzfragen \u00fcber Schulstrukturen in die unbestimmte Zukunft verschoben.<\/p>\n<p>Wir haben uns im Laufe des Prozesses mit Bildungsexpert*innen, aus Bremen und von au\u00dferhalb sowie zivilgesellschaftlichen Akteur*innen mit den Fragen auseinandergesetzt, was aktuell schief l\u00e4uft, wie f\u00fcr uns Bildungsgerechtigkeit im 21. Jahrhundert aussieht und wie wir sie verwirklichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kritik am Schulsystem im Land Bremen ist in vieler Munde:<br \/>\nDabei geht es um Unterrichtsausfall wegen fehlender Lehrkr\u00e4fte auf einem hohen Niveau, gutes inklusives Arbeiten an Schulen, fehlende Ressourcen, zu gro\u00dfe Klassen, fehlende Zeit f\u00fcr wichtige p\u00e4dagogische Arbeit, zu kleine Schulgeb\u00e4ude in schlechtem Zustand und vielfach \u00fcberlastete Lehrkr\u00e4fte. Es wird sich beschwert, dass bremische Sch\u00fcler*innen unzureichende Leistungsergebnisse bringen w\u00fcrden, dass das Abitur nichts wert sei und \u00fcberhaupt gerade besonders leistungsstarke Kinder durch ein inklusives Schulsystem benachteiligt w\u00fcrden.<br \/>\nIn diesen Kritiken mischen sich h\u00e4ufig Klischees mit Verk\u00fcrzungen und \u00dcbertreibungen. Dennoch liegen ihnen im Kern wichtige Anliegen zu Grunde, denn in Hinblick auf das Bremer Schulsystem und seinen Betrieb und damit in der bremischen Bildungspolitik gibt es sehr viel zu tun.<\/p>\n<p>Wir GR\u00dcNEN streiten auf Grundlage eines umfassenden Verst\u00e4ndnisses von Bildung, das nicht erst in der Schule ansetzt. Bildungspolitik ist f\u00fcr uns ein zentrales sozial- und gerechtigkeitspolitisches Feld in unserem Bundesland.<\/p>\n<p>Gute und gerechte Bildung unterst\u00fctzt junge Menschen dabei, ihr Leben eigenverantwortlich und selbstbestimmt gestalten zu k\u00f6nnen. Sie tr\u00e4gt dazu bei, die eigenen Potenziale und Interessen zu entwickeln und offen f\u00fcr neue Erkenntnisse und Erfahrungen zu bleiben sowie soziale Verantwortung zu tragen. Das Recht auf gute Bildung ist ein lebenslanges und jedem Menschen offen stehendes Recht, das Selbstbestimmung, M\u00fcndigkeit und gesellschaftliche Teilhabe erm\u00f6glicht. Damit ist es ein elementarer Bestandteil unserer Demokratie. Allerdings leistet unser Bildungssystem das aktuell nicht f\u00fcr alle Menschen. Diese Ungerechtigkeit wollen wir abbauen.<\/p>\n<p>GR\u00dcNE Bildungspolitik steht seit 40 Jahren f\u00fcr einen ganzheitlichen und inklusiven Ansatz: Es geht um die Erm\u00f6glichung von Teilhabe in der Gesellschaft und im demokratischen System. Dazu braucht es Chancen zur Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und die Vermittlung von Wissen, Kulturtechniken, die Entwicklung weiterer Kompetenzen und das Erreichen von Abschl\u00fcssen. Lesen, Schreiben, Rechnen ebenso wie eine Berufsausbildung sind wichtige Voraussetzungen f\u00fcr Teilhabe ebenso wie die Erfahrung von Wertsch\u00e4tzung, Selbstwirksamkeit und demokratischen Prozessen.<\/p>\n<p>Wir GR\u00dcNEN haben das Selbstverst\u00e4ndnis von Deutschland und Europa als Migrationsgesellschaft. Internationale Migration und Flucht sind keine einmaligen oder au\u00dfergew\u00f6hnlichen Prozesse, sie treten dauerhaft und immer wieder verst\u00e4rkt auf, wie seit 2015\/2016 aus Syrien oder aktuell mit Gefl\u00fcchteten aus der Ukraine.<\/p>\n<p>Das Bildungssystem, auf das wir mit diesem Bericht hinarbeiten, ist daf\u00fcr gewappnet, Gefl\u00fcchtete und Migrant*innen in Schulen und KiTas aufzunehmen und ihnen gute Bildung zu erm\u00f6glichen. Multiprofessionelle Teams mit ausreichend Sozialp\u00e4dagog*innen und Psycholog*innen, Sprachbildung als Querschnittsaufgabe und Mehrsprachigkeit als professionelle Perspektive, ebenso wie rassismuskritisch kompetente Lehrkr\u00e4fte bilden wichtige Bestandteile eines inklusiven Schulsystems, dass so in die Lage versetzt wird, auf solche Entwicklungen zu reagieren. Nat\u00fcrlich bilden gr\u00f6\u00dfere Gruppen an neuen Sch\u00fcler*innen im ersten Moment eine zus\u00e4tzliche Herausforderung, doch arbeiten wir daraufhin, dass Schulen und KiTas systemisch gut aufgestellt, nicht \u201cknapp auf Kante gen\u00e4ht\u201d, und somit in der Lage sind, immer wieder auch besondere Herausforderungen gut zu bew\u00e4ltigen. Weiterentwicklung mit einer sich ver\u00e4ndernden Gesellschaft und die Anpassung an neue Gegebenheiten sind dann dauerhafte Prozesse, den wir mit diesem Bericht genauer beschreiben.<\/p>\n<ol>\n<li>Wege und Ma\u00dfnahmen<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li>1. Wir wollen gute und verl\u00e4ssliche KiTas f\u00fcr jedes Kind\n<ul>\n<li>1.1. Weil es auf den Anfang ankommt<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Basis f\u00fcr eine erfolgreiche Bildungsbiographie bildet sich zentral in der Grundschule heraus, wo die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen sicher erworben werden sollen.<\/p>\n<p>Zu guter, fr\u00fchkindlicher Bildung geh\u00f6rt ein KiTa-Platz f\u00fcr jedes Kind. Unser Ziel ist eine Komplettversorgung der \u00fcber Dreij\u00e4hrigen und eine Versorgungsquote von 60 Prozent der unter Dreij\u00e4hrigen in jedem Stadtteil in Bremen und Bremerhaven. Nur so kann der Rechtsanspruch auf einen KiTa-Platz ab einem Jahr auch wirklich gew\u00e4hrleistet werden. Wir wollen nicht nur diejenigen versorgen, die ohnehin auf der Suche sind, sondern auch aktiv auf Eltern zugehen, die Unterst\u00fctzung bei der Beantragung eines KiTa-Platzes ben\u00f6tigen. Dazu geh\u00f6rt auch bei Eltern falls n\u00f6tig daf\u00fcr zu werben, ihre Kinder sp\u00e4testens ab drei Jahren f\u00fcr die KiTa anzumelden. Wir streben deshalb an, dass das letzte KiTa Jahr verpflichtend f\u00fcr alle Kinder wird. Daf\u00fcr wollen wir uns im Bund einsetzen.<\/p>\n<p>Eine positive kindliche Entwicklung ben\u00f6tigt vielf\u00e4ltig anregende Umgebungen und Zeit, sich mit den Kindern zu besch\u00e4ftigen. Insbesondere f\u00fcr die sozial-emotionale kindliche Entwicklung ist der Besuch in der KiTa von enormer Bedeutung. Kinder, die keine KiTa besucht haben, haben h\u00e4ufig Probleme, sich im sozialen Rahmen von Schulen, aber auch generell im sozialen Umgang mit anderen Kindern und gr\u00f6\u00dferen Kindergruppen zurecht zu finden. Deshalb wollen wir Kindern m\u00f6glichst fr\u00fch einen KiTa-Besuch erm\u00f6glichen. Daf\u00fcr braucht es eine gute Verzahnung der Ressorts Soziales und Kinder und Bildung mit Institutionen wie Kinder\u00e4rzt*innen oder dem Jugendamt sowie die gezielte Ansprache von Eltern, wenn die kindliche Entwicklung gef\u00e4hrdet ist. Elternbildung ist dabei eine wichtige begleitende Ma\u00dfnahme, denn auch bei Besuch einer KiTa bleibt das Zuhause ein essenzieller Lern- und Lebensort f\u00fcr Kinder.<\/p>\n<p>Trotz des kontinuierlichen KiTa-Ausbaus wird es jedoch auch in den n\u00e4chsten Jahren noch unversorgte Kinder geben. Dies f\u00fchrt neben dem Mangel an Betreuungsm\u00f6glichkeiten auch zu einem Mangel an Teilhabem\u00f6glichkeiten hinsichtlich fr\u00fchkindlicher Bildung. F\u00fcr die \u00dcbergangsphase bis zur Vollversorgung muss daher allen Kindern im Elementaralter von 3 bis 6 Jahren, die keinen KiTa-Platz haben, mindestens ein niedrigschwelliges Angebot fr\u00fchkindlicher Bildung gemacht werden. Dies k\u00f6nnen Spielkreisangebote, betreute Spielpl\u00e4tze oder \u00c4hnliches sein. Das wollen wir anpacken.<\/p>\n<p>Ein KiTa-Platz f\u00fcr jedes Kind ist jedoch noch nicht alles, denn auch auf die Qualit\u00e4t kommt es an. Verbindliche Standards in der Kindertagesbetreuung m\u00fcssen etabliert werden und wie in anderen Bundesl\u00e4ndern auch, Teil der Zuwendungsvertr\u00e4ge zwischen Kommune und Tr\u00e4gern sein. Hierin verankert geh\u00f6ren die Standards des Bildungsplans 0-10, aber auch verbindliche Regelungen zur inhaltlichen Ausgestaltung in Bezug auf Ausfl\u00fcge, Naturerleben in der KiTa, Antirassismusarbeit und Demokratiebildung. Schon unsere Kindertagesst\u00e4tten m\u00fcssen Pr\u00e4ventionsorte zur wirksamen Verhinderung von unterschiedlichen Diskriminierungsformen werden. Demokratische Prinzipien und Partizipation sollen im Alltag der Kinder erlebt und mitgestaltet werden.<\/p>\n<ul>\n<li>1.2. Weil es auf die Sprache ankommt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dem KiTa-Alter kommt hinsichtlich des Spracherwerbs und der Sprachf\u00f6rderung eine sensible Bedeutung zu. Diese Chance d\u00fcrfen wir f\u00fcr kein Kind verstreichen lassen. Dazu geh\u00f6rt, dass jede Fachkraft in der KiTa auch Sprachexpert*in sein muss. Um dies zu erreichen, wollen wir das Wissen und die Kompetenz des Fachpersonals im Bereich Sprache sowohl in der Ausbildung als auch in Fortbildungen noch mehr in den Fokus r\u00fccken. Erg\u00e4nzt werden soll die Kompetenz der KiTa-Fachkr\u00e4fte aber auch weiterhin durch Sprachf\u00f6rderkr\u00e4fte, die sich in den Einrichtungen noch spezifischer um Kinder mit Sprachf\u00f6rderbedarf k\u00fcmmern. Denn Sprache ist der Schl\u00fcssel zu fast allen Lebensbereichen. Sie erm\u00f6glicht Kindern die Aneignung von Wissen, Erkenntnissen und Einsichten sowie Teilhabe am sozialen Miteinander. Sprache unterst\u00fctzt die Entwicklung von Kindern zu bewussten Erwachsenen. Sie hilft, sich im Alltag von heute und der Welt von morgen zurechtzufinden und aktiv an ihrer Gestaltung partizipieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schwierigkeiten, die z.B. aufgrund geringer Deutschkenntnisse in der Schule auftreten, k\u00f6nnen Kinder \u00fcber Jahre hinweg bremsen. Das ist zutiefst ungerecht. Sprachbildung und Sprachf\u00f6rderung m\u00fcssen noch gr\u00f6\u00dferen Raum in der fr\u00fchkindlichen Bildung einnehmen. F\u00fcr einen guten Start in die Schule ist es unerl\u00e4sslich, allen Kindern zuvor die Gelegenheit zu geben, sich in der Unterrichtssprache Deutsch zuhause zu f\u00fchlen und sie sicher im Unterricht nutzen zu k\u00f6nnen. Geringere Sprachf\u00e4higkeiten in der Erstsprache behindern den Spracherwerb in anderen Sprachen wie Deutsch. Deshalb m\u00fcssen auch KiTas Mehrsprachigkeit und den Aufbau umfangreicher Sprachkenntnisse in Herkunftssprachen f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Die alltagsintegrierte Sprachf\u00f6rderung in den Kindertagesst\u00e4tten ist hierbei ein wichtiger Bestandteil. Sprachstandsfeststellungen, an denen alle Kinder vor der Einschulung teilnehmen (z.B. der Primo-Sprachtest), sind ein Instrument, mit dem fr\u00fchzeitig erkannt werden kann, ob Kinder vor dem Schuleintritt noch Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigen. Die Entscheidung, Kinder ohne KiTa-Platz zu einer vorgezogenen Sprachstandsfeststellung einzuladen, um ihnen zumindest ein KiTa-Jahr vor der Einschulung zu erm\u00f6glichen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Unser Ziel ist jedoch, dass alle Kinder bereits im Alter von viereinhalb Jahren an der Sprachstandsfeststellung teilnehmen. Nur so bleibt genug Zeit f\u00fcr Sprachf\u00f6rderung, sofern n\u00f6tig. Die Sprachf\u00f6rderung selbst muss dabei deutlich ausgeweitet werden. Das verpflichtende KiTa-Br\u00fcckenjahr f\u00fcr Kinder mit diagnostiziertem Sprachf\u00f6rderbedarf ist ein wichtiger Baustein. Vor allem deshalb, weil es die Kommunen verpflichtet, allen Kindern im Vorschulalter mit Sprachf\u00f6rderbedarf auch einen KiTa-Platz und alltagsintegrierte Sprachf\u00f6rderung zu verschaffen. So lange nicht jedem Kind ohnehin ein KiTa-Platz zur Verf\u00fcgung steht, ist dies eine wichtige Errungenschaft.<\/p>\n<ul>\n<li>1.3. Weil es auf die Fachkr\u00e4fte ankommt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ohne Fachkr\u00e4fte keine Kindertagesbetreuung. Um ausreichend Fachkr\u00e4fte in den KiTas zu haben, m\u00fcssen genug Fachkr\u00e4fte ausgebildet und vorhandene Fachkr\u00e4fte in den KiTas gehalten werden. Beides geht damit einher, dass die Arbeit in KiTas attraktiv sein muss.<\/p>\n<p>Zur Attraktivierung der Ausbildung wurde bereits vieles auf den Weg gebracht, sei es die Praxisintegrierte Ausbildung PiA; die Integrierte Regelausbildung InRA; die \u00d6ffnung des Aufstiegs-BAf\u00f6G f\u00fcr Erzieher-Fachsch\u00fcler*innen, welches den Auszubildenden ihren Lebensunterhalt w\u00e4hrend der Ausbildungszeit sichert und nicht zur\u00fcckgezahlt werden muss; Ausbildungspr\u00e4mien und Quereinstiegsm\u00f6glichkeiten. Nun gilt es, die Ma\u00dfnahmen zu evaluieren, das Erfolgsmodell PiA zu verstetigen und auszubauen, das Marketing f\u00fcr den Beruf noch zu verst\u00e4rken und zus\u00e4tzliche Bewerber*innen zu gewinnen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir mehr finanzielle Mittel bereitstellen. Das k\u00f6nnen die L\u00e4nder und Kommunen aber nicht alleine schaffen. Der Bund muss hier mit der Umsetzung des Kooperationsgebots den Kommunen helfen.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Punkt ist zudem die langfristige Bindung von Erzieher*innen an ihren Beruf und die Anerkennung des Berufes in der Gesellschaft. Hier gilt leider: Fachkr\u00e4ftemangel beg\u00fcnstigt Fachkr\u00e4ftemangel. Denn der Fachkr\u00e4ftemangel in KiTas bindet viel Energie f\u00fcr Aufgaben, die mit der vorhandenen Expertise der Fachkr\u00e4fte eigentlich geleistet werden k\u00f6nnten, aber aus Personalnot wegfallen. Dies schafft Unzufriedenheit. Unterbesetzung f\u00fchrt zur \u00dcberlastung der verbliebenen Fachkr\u00e4fte, Krankenst\u00e4nde schnellen in die H\u00f6he, Erzieher*innen entscheiden sich, ggf. ihren Beruf zu verlassen. F\u00fcr die Phase des akuten Fachkr\u00e4ftemangels, bis hoffentlich die ergriffenen Ma\u00dfnahmen zu Steigerung der Fachkr\u00e4fteanzahl fruchten, sollte daher auch in Betracht gezogen werden, KiTa-Helfer*innen einzusetzen, die z.B. beim Anziehen zum Rausgehen und bei Mahlzeiten unterst\u00fctzen und somit den Erzieher*innen zumindest eine kleine Entlastung verschaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<ul>\n<li>1.4. Weil es um bessere \u00dcberg\u00e4nge und Verb\u00fcnde geht<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kindertagesst\u00e4tten und Grundschulen sind als Bildungsinstitutionen gleicherma\u00dfen f\u00fcr die grundlegende Erziehung und Bildung von Kindern zust\u00e4ndig. Um alle Kinder bestm\u00f6glich f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen, ist es wichtig, dass die Bildungsangebote von KiTas und Grundschulen eng miteinander verzahnt sind und aufeinander aufbauen. Entscheidend ist, dass wichtige Erkenntnisse \u00fcber das jeweilige Kind beim \u00dcbergang nicht verloren gehen, so dass jedes Kind die Unterst\u00fctzung bekommt, die es braucht. Hieraus l\u00e4sst sich f\u00fcr KiTas und Grundschulen die Aufgabe ableiten, ihre Arbeit so abzustimmen, dass f\u00fcr die Kinder keine Br\u00fcche entstehen, sondern eine kontinuierliche und unterst\u00fctzende F\u00f6rderung gew\u00e4hrleistet ist. Beide Institutionen tragen gemeinsam Verantwortung f\u00fcr die erforderliche Kontinuit\u00e4t von Bildung, Erziehung und Betreuung. Datenschutzrechtliche Bestimmungen, die auch H\u00fcrden sein k\u00f6nnen, m\u00fcssen dabei im Sinne der besseren, professionellen Kooperation der Fachkr\u00e4fte und F\u00f6rderung der Kinder in den verschiedenen Bildungsinstitutionen ausgestaltet werden.<\/p>\n<p>Mit dem Ziel, dass jedes Kind ab sp\u00e4testens drei Jahren in die KiTa geht, bevor es in die Schule kommt, ist auch verbunden, solide Vorschularbeit im letzten Jahr vor der Einschulung zu gew\u00e4hrleisten. Auch hierbei wollen wir verbindliche Standards etablieren, die Grundlage des Zuwendungsvertrages zwischen Kommune und Tr\u00e4gern sind. Vorschularbeit darf in den KiTas nicht weggespart werden. Vorschulkinder haben ein Recht auf Vorschulbildung und das Kennenlernen ihrer zuk\u00fcnftigen Schule. Pat*innenprogramme k\u00f6nnen den Einstieg erleichtern. Unser Ziel ist zudem, vorschulische und schulische Sprachbildung und -f\u00f6rderung in eine Gesamtbetrachtung zu nehmen, bestehende L\u00fccken zu schlie\u00dfen und die \u00dcberg\u00e4nge bei der Sprachf\u00f6rderung zwischen Kindertagesst\u00e4tte, Grundschule und weiterf\u00fchrender Schule weiter zu verbessern.<\/p>\n<p>Die in Bremerhaven bereits bestehende fl\u00e4chendeckende Verbundstruktur zwischen KiTas und Grundschulen muss auch f\u00fcr die Stadtgemeinde Bremen umgesetzt und ausgeweitet werden.<\/p>\n<p>Das einzelne Kind muss im Mittelpunkt eines gemeinsamen Bildungsverst\u00e4ndnisses stehen \u2013 zus\u00e4tzlich ist das Zusammenwirken von Familie, KiTa und Schule unabdingbar. Daf\u00fcr braucht es die Fertigstellung und verbindliche Umsetzung von Bildungspl\u00e4nen f\u00fcr den Elementar- und Primarbereich (Bildungsplan 0 &#8211; 10).<\/p>\n<ul>\n<li>2. Wir wollen gerechte Schulen f\u00fcr jedes Kind<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die prim\u00e4re Herausforderung sehen wir darin, dass unsere Gesellschaft es immer noch nicht schafft, Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Gesellschaftliche Ungleichheit schreibt sich in den Bildungswegen junger Menschen fort, obwohl individuelle und organisatorische Bem\u00fchungen dem entgegenzuwirken, zahlreich sind. Diese Ungerechtigkeiten zeigen sich im Bildungssystem verst\u00e4rkt als sozialr\u00e4umliche Spaltung: Bildung h\u00e4ngt massiv vom Elternhaus ab und die finanziellen wie sozialen und kulturellen M\u00f6glichkeiten in innenstadtnahen Stadtteilen \u00fcbersteigen h\u00e4ufig die M\u00f6glichkeiten von Familien, die in benachteiligten Stadtteilen in Bremen, Bremen Nord und Bremerhaven wohnen. In den Schulen versch\u00e4rfen sich die Herausforderungen, die damit einhergehen, dass die Arbeit in benachteiligten Stadtteilen von vielen Fachkr\u00e4ften als besonders herausfordernd wahrgenommen wird und der Personalmangel dort gr\u00f6\u00dfer ist. Eine gerechte Bildungspolitik muss aber hier mit besonderer Intensit\u00e4t ansetzen und Sch\u00fcler*innen aus einem benachteiligten Umfeld gute Bildung erm\u00f6glichen. Daraus ergibt sich, dass wir st\u00e4rker benachteiligte Sch\u00fcler*innen st\u00e4rker unterst\u00fctzen. Das muss sich in der Ausstattung von Schulen, auch mit Personal, widerspiegeln. Besonders in benachteiligten Stadtteilen braucht es h\u00e4ufig deutlich mehr Unterst\u00fctzung, damit auch hier alle Sch\u00fcler*innen ihr Recht auf gute Bildung wahrnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit der Einf\u00fchrung des zweigliedrigen, weiterf\u00fchrenden Schulsystems (Gymnasium\/Oberschule) haben wir ab 2010 versucht, Auswirkungen sozialer Ungleichheit abzumildern, aber nach wie vor h\u00e4ngt Bildungserfolg stark vom Elternhaus ab. Das ist nicht gerecht, zumal Bildung in unserer Gesellschaft einen Grundstein f\u00fcr Teilhabe und Selbstbestimmung darstellt.<\/p>\n<ul>\n<li>2.1. Wir wollen ein Recht auf hochwertigen Ganztag<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bildungsungerechtigkeit \u00e4u\u00dfert sich unter anderem darin, dass Bildungserfolg in gro\u00dfem Ma\u00dfe vom Elternhaus abh\u00e4ngt. W\u00e4hrend einige Eltern \u00fcber Musikunterricht, Sportvereine, internationale Reisen, Nachhilfe und umfangreiche pers\u00f6nliche Unterst\u00fctzung die Bildung ihrer Kinder unterst\u00fctzen, ist dies bei Weitem nicht allen Eltern m\u00f6glich. Gute, gebundene Ganztagsschulen sind deshalb ein zentrales Instrument, um Bildungsungerechtigkeit zu bek\u00e4mpfen. Sch\u00fcler*innen k\u00f6nnen dort unabh\u00e4ngig vom Elternhaus vielf\u00e4ltige soziale, sportliche, k\u00fcnstlerische oder handwerkliche Erfahrungen machen, die sie in ihrer Entwicklung unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung ab 2026 bedeutet eine enorme Anstrengung auf politischer Ebene f\u00fcr Bremen und Bremerhaven. Die Ausweitung von Ganztagsgrundschulen muss dennoch mit deutlich mehr Tempo als bisher vorangetrieben werden, denn der aktuelle Mangel an Ganztagsschulen bedeutet t\u00e4glich enorme Anstrengungen f\u00fcr viele Eltern und schlechtere Bildungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kinder und Jugendliche. Die Einrichtung der Senatskommission f\u00fcr Schul- und KiTabau ist daher ein richtiger Schritt, um die Prozesse zu b\u00fcndeln und zu beschleunigen.<\/p>\n<p>Ein gelungener Ganztagsunterricht bietet einen guten Rhythmus zwischen Konzentrations- und Anstrengungsphasen einerseits sowie Entspannungsphasen und Freir\u00e4umen andererseits. Die enge Verzahnung von Schule und Ganztag durch die Rhythmisierung des Unterrichts im gebundenen Ganztag bietet insbesondere vielf\u00e4ltige Chancen, um jedem Kind in besonderer Weise gerecht zu werden. An weiterf\u00fchrenden Schulen und Oberstufen kann die Auseinandersetzung mit sinnvollen Lern- und Arbeitszeiten auch die Reduzierung von Pr\u00e4senzunterricht bedeuten, die in Abstimmung mit den Sch\u00fcler*innen ihnen individuelle \u00dcbungszeit erm\u00f6glicht. Diese Fragen der konkreten Ausgestaltung von Ganztagsunterricht sind in der Verantwortung der schulischen Selbstst\u00e4ndigkeit, die schulspezifisch demokratisch entschieden werden sollen.<\/p>\n<p>Ganztagsschulen bieten Raum und gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr die individuelle F\u00f6rderung von Sch\u00fcler*innen, sei es durch kulturelle Bildung, musisch-\u00e4sthetischer Bildung oder Bewegungs- und Sportangeboten und f\u00f6rdert somit die ganzheitliche Entwicklung der Kinder. Es k\u00f6nnen Gemeinschaftserfahrungen, Kreativit\u00e4t, Selbstwirksamkeit und vielf\u00e4ltige Partizipationsformen f\u00fcr die Sch\u00fcler*innen ganz konkret erlebbar werden und die Fundamente f\u00fcr Teilhabe in einer demokratischen Gesellschaft gelegt werden. Soziales Lernen und die Ein\u00fcbung von Solidarit\u00e4t k\u00f6nnen mehr Raum bekommen, was auch zur Pr\u00e4vention von Mobbing beitr\u00e4gt. In der Gestaltung des Ganztages ergibt sich au\u00dferdem eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr die Beteiligung von Sch\u00fcler*innen, damit diese Zeit f\u00fcr sie interessant und wertvoll gestaltet wird.<\/p>\n<p>Ganztagsschulen sind Lernorte, aber auch Lebensorte, an denen Sch\u00fcler*innen einen bedeutenden Teil ihrer Zeit verbringen. Daher kommt der Qualit\u00e4t der Beziehungen zwischen Lernenden und Lehrenden und der Qualit\u00e4t der Raum und Zeitgestaltung eine enorme Bedeutung zu. Ein starkes Bildungsangebot im Ganztag ben\u00f6tigt daher sehr gut p\u00e4dagogisch ausgebildete Besch\u00e4ftigte und kann dann gut funktionieren, wenn ausreichend Zeit f\u00fcr eine gute Abstimmung in den multiprofessionellen Kollegien gegeben ist.<\/p>\n<p>Mit dem weiteren Ausbau der Ganztagsangebote werden Horte eine andere Rolle bekommen. Insbesondere f\u00fcr die Zeiten vor 7 Uhr und nach 16 Uhr stellen sie dann einen wichtigen Ort f\u00fcr Kinder dar, deren Eltern zu diesen Zeiten arbeiten und sie nicht betreuen k\u00f6nnen. Horte sollen Ganztagsschulen erg\u00e4nzen, nicht ersetzen. Qualitativ muss auch dort Weiterentwicklung stattfinden. Inklusion sollte durch die institutionen\u00fcbergreifende Kooperation beg\u00fcnstigt werden, was auch die Begleitung durch bekannte pers\u00f6nliche Assistenzen f\u00fcr Sch\u00fcler*innen mit Bedarf auf pers\u00f6nliche Assistenz beinhaltet.<\/p>\n<ul>\n<li>2.2. Wir wollen gesunde Ern\u00e4hrung in KiTa und Schule<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ohne Essen kein Lernen.<\/p>\n<p>Zur gesunder Bildung geh\u00f6rt die Verpflegung mit ausgewogenen und nahrhaften Lebensmitteln. Ausgewogene Ern\u00e4hrung f\u00f6rdert die Gesundheit, Leistungsf\u00e4higkeit und das Konzentrationsverm\u00f6gen von Kindern und Jugendlichen.<\/p>\n<p>Gute Ern\u00e4hrung ist eine dringende soziale und \u00f6kologische Frage unserer Zeit. Mit einem ressourcenschonenden Ern\u00e4hrungsverhalten k\u00f6nnen wir unsere Gesundheit f\u00f6rdern und die Umwelt sch\u00fctzen. Deswegen ist es wichtig, sich auch mit den globalen Themen Erzeugungsbedingungen, Ern\u00e4hrung und Hunger sowie den Auswirkungen von Ern\u00e4hrung auf das Klima und die Biodiversit\u00e4t auseinanderzusetzen. Somit soll es eine selbstverst\u00e4ndliche Verzahnung vom Essensangebot in unseren KiTas und Schulen und Bildung nachhaltiger Entwicklung (BNE) geben. Es ist uns wichtig, dass gesundes und klimafreundliches Essen auf den Tisch kommt. Das Bewusstsein daf\u00fcr soll durch entsprechende Projekte (bspw. Schulg\u00e4rten, gemeinsames Kochen) und Ern\u00e4hrungsbildung geschaffen werden.<\/p>\n<p>Das Bildungsressort muss seine Verantwortung zur Umsetzung des \u201cAktionsplans 2025 &#8211; Gesunde Ern\u00e4hrung in der Gemeinschaftsverpflegung der Stadtgemeinde Bremen\u201d endlich wahrnehmen und dauerhaft sicherstellen. Gesunde Ern\u00e4hrung braucht es im ganzen Land Bremen und das Angebot muss im Sinne der Klimaneutralit\u00e4t weiterentwickelt werden.<\/p>\n<ul>\n<li>2.3. Wir wollen k\u00f6rperliche und geistige Gesundheit und Schutz vor Gewalt<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr ein gesundes K\u00f6rpergef\u00fchl ist nicht nur vollwertiges Essen wichtig, sondern auch das F\u00f6rdern der k\u00f6rperlichen und psychischen (Selbst-)Wahrnehmung von Kindern und Jugendlichen. Wer ein gutes Verh\u00e4ltnis zu sich und dem eigenen K\u00f6rper hat, kann besser mit anderen Herausforderungen umgehen. Deshalb soll Schule das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen st\u00e4rken und sie dazu bef\u00e4higen, mit Ver\u00e4nderungen umzugehen. Das bedeutet, dass Sport und Bewegung eine Frage von k\u00f6rperlicher Gesundheit sind, aber auch von psychischer Ausgeglichenheit, mentaler Gesundheit und k\u00f6rperlicher Selbstwahrnehmung. Wir wollen geistige, k\u00f6rperliche und psychische Gesundheit als zentrale Ressourcen f\u00fcr Leistungsf\u00e4higkeit, Lebensqualit\u00e4t und soziale Teilhabe st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie hat die Herausforderungen um die Themen h\u00e4usliche und sexualisierte Gewalt versch\u00e4rft. Schule und Sozialarbeit m\u00fcssen besser darauf vorbereitete Vertrauenspersonen f\u00fcr Sch\u00fcler*innen stellen. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen sie auch in der Traumabew\u00e4ltigung mit psychosozialer Betreuung ein Angebot schaffen.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir Kinderschutz verbessern und Gewalt wirkungsvoller abbauen. Dar\u00fcber hinaus brauchen wir einen zeitgem\u00e4\u00dfen, queersensiblen Sexualkundeunterricht, der auf unterschiedliche geschlechtliche Identit\u00e4ten, sexuelle Orientierungen und elementare Themen wie Konsens und Einvernehmen eingeht. Sexualisierte Gewalt ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema, dem durch das offene Besprechen von Grenzen pr\u00e4ventiv begegnet werden sollte.<\/p>\n<p>Sch\u00fcler*innen, die Mobbing erfahren, m\u00fcssen verl\u00e4ssliche Unterst\u00fctzungsstrukturen in den Schulen haben. Schulsozialarbeiter*innen sollten deshalb im regelm\u00e4\u00dfigen Kontakt zu allen Sch\u00fcler*innen stehen, was \u00fcber j\u00e4hrliche Einzelgespr\u00e4che mit allen Sch\u00fcler*innen geschehen kann und bei einem Verdacht auf Betroffenheit auch proaktiv Unterst\u00fctzung anbieten. Um das leisten zu k\u00f6nnen, muss die Schulsozialarbeit kontinuierlich ausgebaut werden, da die momentanen Ressourcen nicht ausreichend sind.<\/p>\n<ul>\n<li>2.4. Wir wollen demokratische Teilhabe st\u00e4rken<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine demokratisch gefestigte Gesellschaft ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Sie steht kontinuierlich von innen und von au\u00dfen unter Druck und muss wehrhaft gegen diejenigen sein, die eine pluralistische und freiheitliche Gesellschaft bek\u00e4mpfen. Deshalb ist die St\u00e4rkung der Demokratie ein dauerhafter und notwendiger Prozess, der grunds\u00e4tzlich f\u00fcr die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft ist. KiTas und Schulen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, weil ihnen die Aufgabe obliegt, Grundlagen f\u00fcr ein demokratisches Selbstverst\u00e4ndnis von Sch\u00fcler*innen zu entwickeln und demokratische Teilhabe und Selbstbestimmung erfahrbar zu machen. Daher wollen wir Kinder von Beginn an mitbestimmen lassen. Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass Demokratie erlebt und ge\u00fcbt werden muss und ein undemokratisches Bildungssystem nicht nachhaltig zu demokratischer Teilhabe bef\u00e4higen kann.<\/p>\n<p>Dass Sch\u00fcler*innen selbst mehr demokratische Beteiligung einfordern, zeigt sich immer wieder, beispielsweise auch bei den Klimaprotesten von \u201eFridays for Future\u201c.<\/p>\n<p>Gesetzlich ist in Bremen bereits die umfassende Beteiligung von Sch\u00fcler*innen festgeschrieben, unter anderem durch die Drittelparit\u00e4t in Schulkonferenzen. Allerdings muss Demokratie t\u00e4glich im Kleinen und Gro\u00dfen in der Schule erlebt und einge\u00fcbt werden. Es liegt in der Verantwortung der Lehrkr\u00e4fte, regelm\u00e4\u00dfige Beteiligung an unterrichtlichen und au\u00dferunterrichtlichen Entscheidungen zu erm\u00f6glichen und die Unterst\u00fctzung der Kinder und Jugendlichen, Mitbestimmung und Teilhabe auch einzufordern. Prozesse der demokratischen Selbstorganisation auf Klassenebene in Klassenr\u00e4ten und die Beteiligung an Schulentwicklungsprozessen m\u00fcssen fl\u00e4chendeckend in allen Jahrg\u00e4ngen zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden. Demokratiebildung muss f\u00e4cher\u00fcbergreifend selbstverst\u00e4ndlich werden und mit regelm\u00e4\u00dfigen verbindlichen Projekten in allen Schulstufen gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>M\u00f6glich wird das nur, wenn Demokratiebildung als Aufgabe des gesamten Personals verstanden wird. Insbesondere die Erzieher*innen und Lehrkr\u00e4fte brauchen daf\u00fcr mehr Unterst\u00fctzung, durch mehr demokratie-p\u00e4dagogische Aus- und Fortbildungen sowie durch gezielte \u2013 auf Sch\u00fcler*innenpartizipation abzielende- Schulentwicklungsberatung.<\/p>\n<p>Eine starke demokratische Verwurzelung braucht Sch\u00fcler*innen, die geschichtlich und gesellschaftlich informiert sind und sich politisch positionieren. Gesellschaftlich relevante Themen wie Medienm\u00fcndigkeit und Umgang mit \u201cFake News\u201d sowie die Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur und Verantwortung m\u00fcssen st\u00e4rker als bisher thematisiert werden.<\/p>\n<ul>\n<li>2.5. Wir wollen mit Eltern st\u00e4rker zusammenarbeiten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gute Bildung braucht Beziehungsarbeit zwischen Lehrenden und Lernenden, aber auch zwischen Lehrenden und Erziehungsberechtigten. Denn die nat\u00fcrlichen Expert*innen f\u00fcr ihre Kinder sind die Eltern. Kinder und Jugendliche teilen einen Gro\u00dfteil ihrer Zeit zwischen Elternhaus und Schule. Die jeweiligen (gemeinsamen) Bildungs- und Erziehungsziele von Eltern und Schule k\u00f6nnen dann am besten gemeistert werden, wenn beide Seiten gemeinsam an einem Strang ziehen. Wichtig ist dabei auch, dass mit den relevanten Erziehungspersonen f\u00fcr jedes einzelne Kind gut zusammengearbeitet wird, seien das Gro\u00dfeltern, engagierte Nachbar*innen oder Besch\u00e4ftigte der station\u00e4ren Jugendhilfe.<\/p>\n<p>Wir sehen in den Erziehungs- und Bildungspartnerschaften zwischen Eltern und KiTa bzw. Schule einen entscheidenden Faktor f\u00fcr einen erfolgreichen Bildungsverlauf von Kindern und Jugendlichen. Wenn Eltern sich in der Institution willkommen, gesehen und wertgesch\u00e4tzt f\u00fchlen und beidseitig Verantwortung f\u00fcr eine gute Zusammenarbeit \u00fcbernommen wird, f\u00fchlen sich auch Kinder und Jugendliche grunds\u00e4tzlich willkommen, gesehen und wertgesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Damit das gelingen kann, muss der Zusammenarbeit von Lehrkr\u00e4ften und Eltern mehr Raum gegeben werden, um in regelm\u00e4\u00dfigen Entwicklungsgespr\u00e4chen Transparenz zur Entwicklung der Kinder herzustellen. In Anbetracht vom allgemeinen Zeitmangel und den vielf\u00e4ltigen Aufgaben von Erziehenden und Lehrenden ist dies eine enorme Herausforderung, die sich mit Blick auf den Bildungserfolg von Sch\u00fcler*innen aber unbedingt lohnt. Bildungspartnerschaften m\u00fcssen sich daher als wichtiger Baustein im Aufgabengebiet von Erzieher*innen und Lehrkr\u00e4ften entsprechend in den Arbeitszeiten widerspiegeln.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten Eltern, KiTas und Schulen dar\u00fcber hinaus ermutigen, \u00fcber die klassische \u201eElternarbeit\u201c hinaus gemeinsam aktiv zu werden und die ganz unterschiedlichen Ressourcen, die Eltern mitbringen k\u00f6nnen, in den Schulen und KiTas zu nutzen.<\/p>\n<p>Weiterhin muss die Elternbildung und -beratung gest\u00e4rkt werden, um Fragen zu Bildungssystem und Erziehungsmethoden besser aufgreifen zu k\u00f6nnen. KiTas und Schulen brauchen zudem Unterst\u00fctzung, um L\u00f6sungen f\u00fcr sprachliche oder kulturelle Barrieren zu finden. Die Beratung zu sprachlicher Bildung und mehrsprachiger Erziehung muss auch breiter aufgestellt werden.<\/p>\n<p>Eine gute Bildungspartnerschaft kann bei Problemen und Konflikten in KiTa und Schule hilfreich sein, weil es eine gemeinsame Basis gibt, auf der L\u00f6sungen erarbeitet werden k\u00f6nnen. Auch k\u00f6nnen Eltern und Familien durch Hilfen, Kontakte und Gespr\u00e4che unterst\u00fctzt werden. Um Lehrkr\u00e4fte bei diesen vielf\u00e4ltigen Aufgaben zu entlasten und die Bindung von Schule und Eltern zu st\u00e4rken, muss die aufsuchende Sozialarbeit an Schulen, insbesondere in benachteiligten Stadtteilen, ausgeweitet werden.<\/p>\n<ul>\n<li>2.6. Wir wollen selbstst\u00e4ndige Schulen ausbauen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Ziel aller schulischen Anstrengungen richtet sich auf das erfolgreiche Lernen aller Sch\u00fcler*innen, gem\u00e4\u00df ihren Zielen und Motivationen, ihren Begabungen und ihren Interessen.<\/p>\n<p>Die Herausforderungen an den einzelnen Schulen unterscheiden sich dabei je nach Umfeld und spezifischen schulischem Kontext, weshalb ihre handelnden Akteure Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit ben\u00f6tigen, um flexibel, bedarfsgerecht und wirksam im Sinne ihrer Sch\u00fcler*innen agieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass Schulen Freiheiten im Sinne ihrer Schulgemeinschaft gut wahrnehmen k\u00f6nnen und wollen daher die Selbstst\u00e4ndigkeit und Selbstverantwortung von unseren Schulen st\u00e4rken. Selbstst\u00e4ndige Schulen wollen wir ermutigen, ihre Handlungsspielr\u00e4ume zu nutzen, um Innovation und Schulentwicklungsprozesse selbstverst\u00e4ndlich und voranzutreiben und dabei als \u201elernende Organisation\u201c ihre demokratischen Strukturen kontinuierlich zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Handlungsspielr\u00e4ume umfassen beispielsweise die M\u00f6glichkeit, flexibler mit Pr\u00e4senzpflicht (ab einer gewissen Jahrgangsstufe) umzugehen, Lernarrangements flexibler zu gestalten und Lernformate wie den \u201eFREI DAY\u201c einzuf\u00fchren, bei dem die Sch\u00fcler*innen einen Tag bekommen, um eigenen Fragen und Projekten nachzugehen. Die Selbstst\u00e4ndige Schule braucht auch weitreichende Entscheidungsbefugnisse in Bezug auf die schulbezogene Personalgewinnung und Personalentwicklung, aber auch Ressourcen, um die negativen Auswirkungen des Fachkr\u00e4ftemangels bestm\u00f6glich abmildern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Erfolg ihrer Zusammenarbeit mit den Lernenden \u00fcbernehmen Lehrkr\u00e4fte dabei ein hohes Ma\u00df an Verantwortung. Daf\u00fcr ben\u00f6tigen sie Ermutigung zu kreativen und innovativen Ans\u00e4tzen, aber auch Vertrauen in ihre Professionalit\u00e4t. Zur Verantwortungs\u00fcbernahme geh\u00f6rt gleichzeitig, Rechenschaft abzulegen \u00fcber die Wirkungen des eigenen Handelns. Dazu geh\u00f6ren Evaluation, eine Feedbackkultur und Reflexion.<\/p>\n<p>Selbstst\u00e4ndige Schulen ben\u00f6tigen daf\u00fcr ein umfangreiches Unterst\u00fctzungssystem, das die Aus- und Fortbildung der Lehrkr\u00e4fte sichert und beim Aufbau und laufenden Betrieb eines Qualit\u00e4tssicherungssystems ber\u00e4t. Es m\u00fcssen zudem externe Evaluationen sowie bei Bedarf eine externe Prozessbegleitung als Entwicklungsunterst\u00fctzung bereitgestellt werden. Auch das Verh\u00e4ltnis zwischen Schule und der Bildungsverwaltung muss entsprechend neu definiert werden.<\/p>\n<ul>\n<li>2.7. Wir wollen die \u00dcberg\u00e4nge ins Berufsbildungssystem verbessern<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erfolgreiche und erf\u00fcllende Bildungswege k\u00f6nnen ganz unterschiedlich aussehen und m\u00fcssen nicht \u00fcber das Abitur f\u00fchren. Wir wollen, dass alle Sch\u00fcler*innen bestm\u00f6glich \u00fcber die vielf\u00e4ltigen Berufs- und Karrierem\u00f6glichkeiten, insbesondere auch in der dualen Ausbildung informiert werden. Das l\u00e4uft an einigen Stellen schon sehr gut, wird aber insbesondere an gymnasialen Oberstufen noch nicht ausreichend angenommen.<\/p>\n<p>Die Anforderungen an die berufliche Bildung steigen von Jahr zu Jahr, wachsende gesellschaftliche, wirtschaftliche und technische Anspr\u00fcche pr\u00e4gen das Angebot f\u00fcr die Sch\u00fcler*innen mit einem Ausbildungsplatz, einem Anspruch auf einen h\u00f6heren Bildungsabschluss als auch f\u00fcr diejenigen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben und sich im \u00dcbergangssystem wiederfinden. Hinzu kommen die Sch\u00fcler*innen, die im Allgemeinbildenden System keinen Abschluss erreicht haben oder vorzeitig das Ausbildungsverh\u00e4ltnis k\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Die Berufsbildenden Schulen in Bremen werden zu zwei Dritteln von Sch\u00fcler*innen in der dualen Ausbildung besucht und zu einem Drittel von Sch\u00fcler*innen in Vollzeitbildungsg\u00e4ngen, wie schulischen Ausbildungen oder dem beruflichen Gymnasium. Ein F\u00fcnftel der Berufssch\u00fcler*innen erreichen erst in der weiterf\u00fchrenden Schule einen allgemeinbildenden Abschluss.<\/p>\n<p>Die Folge sind Berufliche Schulen, die mit Zuw\u00e4chsen der Sch\u00fcler*innenzahl und damit mit einer immer st\u00e4rker werdenden Heterogenit\u00e4t (u.a. Mehrsprachigkeit, sozialer Kontext, Lernschwierigkeiten) umgehen m\u00fcssen. Um dem zu begegnen, ist eine inklusive, sozialp\u00e4dagogische Ausrichtung sowie eine professionelle (sprach-) lernf\u00f6rdernde Unterst\u00fctzung der beruflichen Vollzeitbildungsg\u00e4nge zwingend notwendig. Es bedarf somit zus\u00e4tzlicher Stellen f\u00fcr entsprechendes Personal und eine gezielte Personalentwicklung in diesen Feldern. Eine zielgenaue und auf die einzelnen Sch\u00fcler*innen ausgerichtete Kooperation zwischen den abgebenden allgemeinbildenden Schulen und der Beruflichen Schulen ist \u00fcber die bereits als obligatorisch durchzuf\u00fchrenden Berufsorientierung systematisch und unter Einbeziehung der ausbildenden Betriebe (weiter-) zu entwickeln.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen der Klimakatastrophe und unser Ziel diese zu begrenzen, machen Anpassungen in verschiedenen Berufsfeldern und somit auch an berufsbildenden Schulen notwendig. Wie beispielsweise der Abschlussbericht der Klima-Enquete-Kommission ausf\u00fchrt, ben\u00f6tigen wir in den kommenden Jahren deutlich mehr gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte f\u00fcr den klimaneutralen Umbau im Land Bremen. Nur so kann der Ausbau der Erneuerbaren Energien konsequent vorangetrieben werden, die Geb\u00e4ude zu modernisiert werden und die gro\u00dfe Chance der zuk\u00fcnftigen Wasserstoffwirtschaft f\u00fcr Bremen genutzt werden.<\/p>\n<ul>\n<li>2.8. Wir wollen Schulen in die Stadtgesellschaft und Stadtteile \u00f6ffnen<\/li>\n<\/ul>\n<p>KiTas und Schulen sind Schnitt\u00adstellen zu Familien und damit zu unserer Gesellschaft. Darum m\u00f6chten wir diese Orte, Schulen mit ihren Schulh\u00f6fen und KiTas, auch ganz praktisch in das \u00f6ffentliche Leben unserer St\u00e4dte Bremen und Bremerhaven ganzt\u00e4gig integrieren. Wir m\u00f6chten sie z.B. an Nachmittagen, Wochenenden und in den Ferien \u00f6ffnen und nutzen. Hier sollen Orte der Begegnung gef\u00f6rdert werden, f\u00fcr alle im Stadtteil lebenden Menschen, z.B. als Spielplatz, Probenraum, Gemeinschaftsk\u00fcche oder f\u00fcr Bildungsangebote f\u00fcr Eltern. So wie Sporthallen tags\u00fcber von Schulen und abends von Vereinen genutzt werden, k\u00f6nnen weitere Kooperationen entstehen, wenn sich auch Aulas, Schulk\u00fcchen und weitere R\u00e4umlichkeiten \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die Angebote der Offenen Jugendarbeit (OJA) verstehen wir als wertvolle und wichtige Erg\u00e4nzung im Bremer Bildungssystem. Bei dem Ausbau der Schulen zu Ganztagsschulen setzen wir einen Schwerpunkt bei der Verzahnung zwischen Schulen und Tr\u00e4gern der Offenen Jugendhilfe. So wird der Schulalltag methodisch abwechslungsreich und erm\u00f6glicht projektorientiertes Lernen. Voraussetzung daf\u00fcr ist der rhythmisierte Ganztag. Der Wechsel zwischen \u201eLernen nach Stundenplan\u201c und Projektteilnahme macht den langen Schultag vielf\u00e4ltig.<\/p>\n<p>Auch muss die dringend notwendige Zusammenarbeit der verschiedenen Senatsressorts weiter gef\u00f6rdert werden. Bildungsorte k\u00f6nnen so zum ganzheitlichen Lebensraum f\u00fcr soziales Lernen und zu Bildungsst\u00e4tten f\u00fcr uns alle werden. Wir m\u00f6chten damit einen niedrigschwelligen und barrierefreien Zugang zu unseren Bildungsst\u00e4tten f\u00f6rdern und die Kooperation zwischen den Bildungs- und Sozialinstitutionen, den Eltern und der gesamten Zivilgesellschaft in den Quartieren erleichtern.<\/p>\n<p>Wir wollen Stadtentwicklung und -planung st\u00e4rker mit der Bildungslandschaft zusammendenken. Um eine in Schulen und KiTas zeigt sich in besonderem Ma\u00dfe, dass eine gute Durchmischung von Stadtteilen zu besserem Bildungserfolg aller Kinder beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Schulen sollen zu Zentren des sozialen Lebens im Stadtteil werden \u2013 gemeinsam genutzte und gestaltete R\u00e4ume, in denen pers\u00f6nliche Weiterentwicklung und gesellschaftlicher Zusammenhalt gelebt und gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<ul>\n<li>3. Wir wollen inklusive Schulen, in denen Kinder aufbl\u00fchen und ihre Begabungen entfalten<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201e10 Jahre schulische Inklusion in Bremen \u2013 Einiges erreicht, aber noch viel vor\u201c (Dr. Joachim Steinbr\u00fcck, ehemaliger Behindertenbeauftragter des Landes Bremen)<\/p>\n<p>Inklusion zu beschlie\u00dfen reicht nicht aus. Inklusion ist ein kontinuierlicher Prozess.<\/p>\n<p>Um also schulische Inklusion Realit\u00e4t werden zu lassen, reicht es nicht, auf durchaus erreichte quantitative Erfolge bei der Inklusion zu verweisen. Vielmehr sind an vielen Stellen qualitative Verbesserungen und eine klare Planungsstruktur notwendig, um dem Recht auf inklusive Bildung aus der Konvention \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderung der Vereinten Nationen (UN-BRK) gerecht zu werden. Das Menschenrecht, das sich aus dieser Konvention ergibt, umfasst das Leben in einer inklusiven Gesellschaft, was inklusive Schulen und KiTas explizit beinhaltet. Der Prozess, unser Schulsystem dauerhaft und nachhaltig in diesem Sinne umzubauen, braucht Zeit und eine deutlich verbesserte r\u00e4umliche, materielle und personelle Ausstattung der Schulen.<\/p>\n<p>Der 2010 verabschiedete \u201eEntwicklungsplan Inklusion (EPI)\u201c und damit die gesetzlichen Voraussetzungen f\u00fcr ein inklusives Schulsystem sind ein solides Fundament \u2013 auf dem aber bisher zu wenig gutes inklusives Arbeiten in Schulen aufbaut. Es ist unsere politische Verantwortung, Rahmenbedingungen daf\u00fcr zu schaffen, sodass sich in der Beh\u00f6rde, wie in jeder Schule und bei jeder Lehrkraft eine inklusive Haltung ausbildet. So kommen wir zu einer gemeinsam getragenen Philosophie, um ein Klima zu schaffen, in dem sich alle willkommen f\u00fchlen und in dem alle die Schule als gerechten Lernort begreifen. Kollegien sind in ihrer Struktur immer noch zu wenig divers und multiprofessionell, als dass sie angemessen mit der Vielfalt der Kinder und Jugendlichen arbeiten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurde die Entwicklung eines inklusiven Schulsystems von Beginn der Schulreform an unter anderem durch die Nichtbearbeitung einer Reihe von Arbeitsauftr\u00e4gen aus dem EPI behindert, wie der Entwicklung von Alternativen zur Feststellungsdiagnostik, den mehrfachen Wechsel bei der Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Bewilligung von Schulassistenzen und dadurch, dass es h\u00e4ufig keine Einbindung des Einsatzes von Assistenzkr\u00e4ften in ein p\u00e4dagogisches Gesamtkonzept gibt.<\/p>\n<p>Viele Sch\u00fcler*innen k\u00f6nnen schulische Anforderungen bew\u00e4ltigen. Allerdings sind der vorgegebene Rhythmus und das geforderte Tempo f\u00fcr viele Sch\u00fcler*innen nicht optimal oder \u00fcberhaupt schaffbar. Die Vielf\u00e4ltigkeit der Sch\u00fcler*innen aber nicht zum Hindernis werden zu lassen, ist Aufgabe des Schulsystems.<\/p>\n<p>Inklusion begreifen wir als Chance f\u00fcr vielf\u00e4ltige Lern- und Bildungsprozesse f\u00fcr jedes Kind. Auch wenn Bremen sich hierbei als Vorreiter im Bund sieht, bleibt bei der Umsetzung noch sehr viel zu tun.<\/p>\n<p>Wir verfolgen das Ziel einer inklusiven Gesellschaft und damit auch eines inklusiven Schul- und Bildungssystems, weil es normal ist, verschieden zu sein. Ein gleichberechtigter Zugang zu Bildung auch f\u00fcr Menschen mit Behinderung, ist Grundlage f\u00fcr gesellschaftliche Weiterentwicklung. Gemeinsames Lernen bedeutet die Chance auf bessere Schulen und eine gerechtere, demokratischere und friedlichere Gesellschaft. Vom gemeinsamen Lernen und der konsequenten individuellen F\u00f6rderung profitieren alle Sch\u00fcler*innen, besonders auch leistungsstarke Sch\u00fcler*innen. Ebenso kommt das Erwerben von sozialen Kompetenzen wie gegenseitiges Verstehen von Lebenslagen und Empathie allen zugute.<\/p>\n<p>Wir sind vom weit angelegten Verst\u00e4ndnis des Inklusionsbegriffes im Schulgesetz \u00fcberzeugt und wollen dessen Umsetzung endlich verwirklichen. Jedes Kind soll seinen F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten entsprechend gef\u00f6rdert und herausgefordert werden, unabh\u00e4ngig davon, welche Schule es besucht.<\/p>\n<ul>\n<li>3.1. Wir schaffen Rahmenbedingungen f\u00fcr wirklich inklusive Schulen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schulen brauchen f\u00fcr die qualitative Umsetzung der Inklusion Zeit, Gestaltungsspielraum und Unterst\u00fctzung in der Etablierung inklusionsp\u00e4dagogischer Konzepte. F\u00fcr das Gelingen der Inklusion bedarf es weiter eine Steuerung mit Expertise aus der Schulbeh\u00f6rde. Eine gemeinsam erarbeitete, inklusive Grundhaltung stellt dann die Basis gelebter Inklusion dar. Schulen m\u00fcssen ihre P\u00e4dagogik an die Sch\u00fcler*innen anpassen, nicht umgekehrt. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, m\u00fcssen sich Schulen weiterentwickeln. Jede Schule \u2013 und das bedeutet auch jede Schulform \u2013 ist offen f\u00fcr jedes Kind. Jede Schule hat dabei das Anrecht auf die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung bei der Weiterentwicklung ihrer internen Strukturen. Statt dogmatisch \u00fcber Schulformen zu diskutieren, wollen wir das inklusive Arbeiten an jeder Schule zur Norm machen und so das Menschenrecht auf inklusive Bildung umsetzen. Dabei geht es nicht nur um Etiketten, sondern darum, alle Schulen so weiterzuentwickeln, dass sie allen Sch\u00fcler*innen offenstehen. Dass wir Schulen aufgrund ihrer Schulform schlie\u00dfen, steht nicht zur Debatte. Der Schulkonsens erh\u00e4lt grunds\u00e4tzlich die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems.<br \/>\nUnsere Gr\u00fcne Position bleibt weiterhin \u201eEine Schule f\u00fcr Alle\u201c: Inklusive p\u00e4dagogische Konzepte m\u00fcssen an jeder Schule, auch an Gymnasien und Schulen in freier Tr\u00e4gerschaft, entwickelt und umgesetzt werden, sodass unterschiedliches Ansehen verschiedener Schulformen abgebaut wird. Eine tats\u00e4chlich inklusive Schullandschaft ist unser Ziel.<\/p>\n<p>Der Aufbau einer inklusiven Gesellschaft ist eine Querschnittsaufgabe \u00fcber alle politischen Ressorts. Nach der schulischen Inklusion m\u00fcssen wir in der Kooperation der verantwortlichen Ressorts den \u00dcbergang in den 1. Arbeitsmarkt inklusiver gestalten. Langfristig wollen wir allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben aus eigener Kraft mit einer Besch\u00e4ftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt erm\u00f6glichen und so das System der Werkst\u00e4tten \u00fcberfl\u00fcssig machen.<\/p>\n<ul>\n<li>3.2. Wir wollen l\u00e4ngeres gemeinsames Lernen ausbauen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir brauchen sozial diverse und inklusive Schulen, in denen junge Menschen so lange wie m\u00f6glich gemeinsam lernen. Unser Bildungssystem soll durchl\u00e4ssiger, gerechter und leistungsf\u00e4higer werden. Offene und durchl\u00e4ssige Strukturen und vielf\u00e4ltige Methoden im Unterricht und in der Schule helfen, Potenziale zu entfalten und praktische und theoretische St\u00e4rken zu entwickeln.<\/p>\n<p>L\u00e4ngeres gemeinsames Lernen kann und muss sich noch st\u00e4rker auch in der Schulstruktur zeigen. Zusammenarbeit von Schulen untereinander oder mit KiTas in Campus-Modellen sind eine M\u00f6glichkeit, noch bessere Rahmenbedingungen f\u00fcr die Umsetzung davon zu erm\u00f6glichen. Der \u00dcbergang von der Grundschule nach der 4. Klasse zur weiterf\u00fchrenden Schule f\u00fchrt zu gro\u00dfem Stress, Leistungsdruck und gro\u00dfer Unruhe und Verunsicherung f\u00fcr Sch\u00fcler*innen, Lehrkr\u00e4fte und Eltern. Hier wird im Alter von ca. 10 Jahren schon der weitere Bildungsweg weitgehend vorgezeichnet. Deshalb muss das \u00dcbergangsverfahren dringend \u00fcberarbeitet werden. Wir unterst\u00fctzen die Kooperationen von Grundschulen mit weiterf\u00fchrenden Schulen im sogenannten Campusmodell und streben das gemeinsame Lernen von Klasse 1-10 an. Wir sehen im gemeinsamen Lernen aller Kinder die gr\u00f6\u00dften Chancen, Kinder auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten und mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft und dem Bildungsabschluss oder Geldbeutel ihrer Eltern.<\/p>\n<p>Wir wollen Sch\u00fcler*innen noch besser erm\u00f6glichen, in ihrem eigenen Tempo zu lernen. Um das durchgehend zu erm\u00f6glichen, braucht es mehr jahrgangs\u00fcbergreifendes Lernen. So k\u00f6nnen Sch\u00fcler*innen einfacher l\u00e4nger oder k\u00fcrzer in einer Lerngruppe bleiben, ohne dabei aber die harten Br\u00fcche des Wiederholens oder \u00dcberspringens zu erleben. Auch die p\u00e4dagogische Arbeit in Abschlussstufen muss sich ver\u00e4ndern, damit es bspw. durch Modularisierung auch nach vier Jahren gymnasialer Oberstufe einfach m\u00f6glich wird, das Abitur zu absolvieren.<\/p>\n<p>Campus-Kooperationen von verschiedenen Schulen und KiTas legen den Grundstein f\u00fcr gemeinsame Bildung bis zur 10. Klasse. Wir m\u00f6chten diese Kooperationen st\u00e4rken und so durch nachhaltige Schulentwicklungsprozesse, die eine Schule f\u00fcr alle \u201evon unten\u201c Realit\u00e4t werden lassen.<\/p>\n<ul>\n<li>3.3. Wir brauchen Personal f\u00fcr inklusive Schulen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die inklusive Schule muss sich in einer ausreichenden Anzahl an entsprechend ausgebildeten Mitarbeiter*innen, aber auch in deren Vielfalt widerspiegeln. Grundlegende, inklusionsp\u00e4dagogische Weiterbildung aller Lehrkr\u00e4fte, mehr Sonderp\u00e4dagog*innen, Schulpsycholog*innen und Schulsozialarbeiter*innen und Doppelbesetzungen, eine bessere Zusammenarbeit aller p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte und die gemeinsame Verantwortungs\u00fcbernahme f\u00fcr das Lernen aller Sch\u00fcler*innen sind daf\u00fcr notwendig, ebenso die grundst\u00e4ndige, inklusionsp\u00e4dagogische Ausbildung aller angehenden, p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Schulassistenzen und Schulbegleitungen spielen aktuell eine gro\u00dfe Rolle bei der Umsetzung der schulischen Inklusion. Unterst\u00fctzung soll so wenig wie m\u00f6glich, aber so viel wie n\u00f6tig erfolgen. Schulassistenzen und Schulbegleitungen sollen m\u00f6glichst Teil des multiprofessionellen Teams sein und systemisch in der Klasse oder Lerngruppe mit allen Kindern arbeiten. Teamzeiten m\u00fcssen auch f\u00fcr sie selbstverst\u00e4ndlich als Arbeitszeit verg\u00fctet werden und ihre Anstellung ist perspektivisch \u00fcber die Bildungsbeh\u00f6rde zu regeln. Gleichzeitig muss auch die institutionen\u00fcbergreifende Arbeit von pers\u00f6nlichen Assistenzen, die z.B. komplexen Behinderungen oder Autismus-Spektrums-St\u00f6rungen sinnvoll sein k\u00f6nnen, mit Horten selbstverst\u00e4ndlich werden, damit inklusive Bildung nicht im Ganztag an ihre Grenzen st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<ul>\n<li>3.4. Wir wollen Leistungsbewertungen verbessern und Noten abschaffen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Traditionell legen alle Kinder und Jugendliche eines Jahrgangs in einer Schule die gleiche Pr\u00fcfung mit den gleichen Inhalten ab und erhalten Noten f\u00fcr ihre Leistungen. Klassenarbeiten und Pr\u00fcfungen finden in der Regel am Ende eines Lernprozesses statt &#8211; die Note ist ein abschlie\u00dfendes Urteil und die Sch\u00fcler*innen haben dann kaum noch eine Chance, nachzusteuern. Das \u201eSitzenbleiben\u201c war dann die einzige &#8211; in der Regel erfolglose &#8211; M\u00f6glichkeit dazu.<\/p>\n<p>Dieses System ist den heutigen Anforderungen einer globalisierten und digitalen Welt nicht mehr angemessen. In einer inklusiven Schule lernen Kinder mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen, F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten gemeinsam &#8211; ihre Leistungen m\u00fcssen entsprechend unterschiedlich bewertet werden. Das Lernen und Arbeiten in der Schule d\u00fcrfen nicht \u00fcber den volkswirtschaftlichen \u201cWert\u201d von Kindern und Jugendlichen bestimmen und gesellschaftliche Teilhabe muss ein Grundrecht sein &#8211; dem m\u00fcssen auch Leistungsbewertungen gerecht werden. Deshalb m\u00fcssen wir die Selektionsfunktion von Schulen und insbesondere von Schulnoten aufbrechen, die nicht nur Armut und Ungerechtigkeit rechtfertigt, sondern h\u00e4ufig auch Diskriminierung verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Die Ziele von Leistungsbewertungen in Schulen sind die Anerkennung von Lernerfolg, Transparenz \u00fcber schulische Arbeit und Lernstand von Sch\u00fcler*innen f\u00fcr die p\u00e4dagogische Zusammenarbeit mit Sch\u00fcler*innen und Eltern und die diagnostische Begleitung von Lernprozessen. Schulnoten k\u00f6nnen diesen Anspr\u00fcchen nicht gerecht werden und m\u00fcssen deshalb \u00fcberwunden werden.<\/p>\n<p>Leistungsbewertungen sollen nicht mehr zum Ende von Lerneinheiten Sch\u00fcler*innen auf- oder abwerten anhand bestimmter Leistungen, die sie in Testsituationen bringen. Stattdessen sollten diagnostische Instrumente der Start von gezielter F\u00f6rderung und der Bereitstellung passender Lernangebote sein. R\u00fcckmeldungen, die die Sch\u00fcler*innen im Verlauf des Lernprozesses bekommen und die auch methodische Anregungen umfassen, erm\u00f6glichen ihnen nachzusteuern, Fehler zu korrigieren und ihren Lernerfolg zu steigern. \u00dcber die Reflexion von Lernstrategien k\u00f6nnen sie lernen, ihre eigenen Lernprozesse positiv zu beeinflussen. Ein kontinuierlicher und regelm\u00e4\u00dfiger Austausch zwischen Lehrkr\u00e4ften, Sch\u00fcler*innen und Eltern bietet eine viel bessere Grundlage f\u00fcr gute Zusammenarbeit, gutes Lernen und gut informierte Eltern als Schulnoten. In den Prozess der Lern- und Arbeitsdokumentation sollten au\u00dferdem die Sch\u00fcler*innen selbst viel st\u00e4rker einbezogen werden, damit nicht nur \u201c\u00fcber sie gerichtet wird\u201d. Das kann z.B. \u00fcber die Verankerung von Portfolio-Arbeit geschehen.<\/p>\n<ul>\n<li>3.5. Wir wollen Begabungsf\u00f6rderung f\u00fcr jedes Kind<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle Kinder haben Begabungen. Wir wollen deshalb unsere Sch\u00fcler*innen im Hinblick auf ihre Potentiale und nicht auf ihre Defizite betrachten, wie es bisher noch weit verbreitet ist. Anstelle einer Begabtenf\u00f6rderung soll der Fokus an unseren Schulen auf einer Begabungsf\u00f6rderung liegen, damit sich die St\u00e4rken und Talente jedes Kindes oder Jugendlichen bestm\u00f6glich entfalten k\u00f6nnen. Eine hohe Auffassungsgabe f\u00fcr mathematische Prozesse, besondere musikalische Kreativit\u00e4t oder handwerkliches Geschick gilt es zu f\u00f6rdern, ebenso wie hohe soziale und empathische Kompetenzen oder sportliche Leistungen.<\/p>\n<ul>\n<li>4. Wir wollen diskriminierungssensible Schulen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Schulen in unserem Land sind &#8211; wie auch die allermeisten anderen Orte unserer Gesellschaft &#8211; Orte, an denen Diskriminierung stattfindet. Besonders brisant ist das, weil Diskriminierungserfahrungen Lernen und Entwicklung junger Menschen behindern k\u00f6nnen. Psychische Belastungen und Traumata aufgrund von Diskriminierung begleiten Betroffene ihr Leben lang. Dar\u00fcber hinaus sind die Schulen strukturell in der Machtposition, Wissen weiterzugeben. Aktuell wird immer noch viel Diskriminierung und insbesondere Rassismus (zumeist unbewusst) in Schulen reproduziert. Schulen sind h\u00e4ufig keine sicheren R\u00e4ume f\u00fcr marginalisierte Kinder und Jugendliche. Sie erfahren aufgrund zugeschriebener oder tats\u00e4chlicher Zugeh\u00f6rigkeiten zu Gruppen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Ableismus oder andere Formen der Diskriminierung, h\u00e4ufig auch mehrere Formen gleichzeitig in intersektionaler Verkn\u00fcpfung. Besonders anti-slawischer, anti-muslimischer, anti-schwarzer und Gadj\u00e9-Rassismus (auch bekannt als sog. Antiziganismus) betreffen viele Sch\u00fcler*innen im Land Bremen. W\u00e4hrend einzelne engagierte P\u00e4dagog*innen und Schulen Sch\u00fcler*innen bei Diskriminierung passend unterst\u00fctzen und Empowerment erm\u00f6glichen, passiert an vielen Stellen viel zu wenig.<\/p>\n<p>Auch das in Schulen t\u00e4tige Personal erlebt Diskriminierung &#8211; im Prozess der \u00d6ffnung hin zu mehr Diversit\u00e4t ist der Umgang mit Diskriminierung deshalb auch auf Personalseite eine wichtige Baustelle.<\/p>\n<p>In Bremer Bildungseinrichtungen sollen Kinder und Jugendliche gemeinsam leben und lernen k\u00f6nnen, egal ob mit und ohne Behinderungen, mit ihren Begabungen und Hochbegabungen, Jungen, M\u00e4dchen, queere Sch\u00fcler*innen, ebenso Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen, Migrationsgeschichte, Kinder of Color, aus unterschiedlichen sozio\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen und mit diversen Familienmodellen. Lehrkr\u00e4fte m\u00fcssen kompetent sein f\u00fcr den allt\u00e4glichen Umgang mit Diskriminierung, wie Queer-Feindlichkeit, Rassismen oder Sexismus und ihre intersektionalen Wirkungsweisen.<\/p>\n<p>Wir wollen, dass alle Schulen ein sicherer Ort f\u00fcr alle Sch\u00fcler*innen werden, egal, welche Besonderheiten sie mitbringen. Diese Haltung in Schulen aufzubauen und zu kr\u00e4ftigen, unterst\u00fctzen wir gezielt! Dabei geht es uns nicht um reine politische Willenserkl\u00e4rungen, die in der Praxis allzu oft inhaltsleer bleiben oder auf die lange Bank geschoben werden, sondern um konkrete Ma\u00dfnahmen, die in den Schulen wirklich greifen und f\u00fcr eine grundlegende Ver\u00e4nderung sorgen.<\/p>\n<p>Wir orientieren uns also am Schulalltag vor Ort.<\/p>\n<p>Beschwerden \u00fcber diskriminierendes Verhalten von Sch\u00fcler*innen untereinander wird zu h\u00e4ufig nicht nachgegangen, da Rassismus, Queer-Feindlichkeit, Sexismus, Antisemitismus und weitere Formen von Diskriminierung Tabu-Themen sind. Insbesondere Diskriminierung, die von Lehrer*innen oder der Schule ausgeht, ist kaum thematisierbar und es folgt Widerstand gegen die Beschwerdef\u00fchrer*innen statt Unterst\u00fctzung ihrer Interessen. Diese Kultur der Tabuisierung und Abwehr wollen wir durch vielf\u00e4ltige Ma\u00dfnahmen durchbrechen. Daf\u00fcr ist es n\u00f6tig, dass Personen, die sich diskriminierend verhalten, nicht verurteilt und moralisch an den Pranger gestellt werden, sondern dass sie durch p\u00e4dagogische Unterst\u00fctzung die M\u00f6glichkeit bekommen, ihr Handeln und ihre Einstellungen zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Jede Schule braucht eine Antidiskriminierungsstrategie, mit umfassenden, passgenauen Qualifizierungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Kollegien. Lehrkr\u00e4fte m\u00fcssen au\u00dferdem rechtssicher wissen, wie ihre M\u00f6glichkeiten sind, was sie d\u00fcrfen und was nicht &#8211; ebenso, wie sie sich Sch\u00fcler*innen gegen\u00fcber angemessen und unterst\u00fctzend verhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alle Sch\u00fcler*innen sollen jederzeit wissen, wie sie f\u00fcr sie wichtigen Themen angstfrei ansprechen k\u00f6nnen und wo sie unkompliziert und effektiv unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<ul>\n<li>4.1. Wir wollen Beschwerde- und Beratungssysteme ausbauen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir wollen wiederkehrende, verpflichtende Qualifizierungen zu Antirassismus, Antisemitismus, LGBTIAQ* und weiteren Themen der Antidiskriminierung f\u00fcr alle Lehrkr\u00e4fte und p\u00e4dagogischen Mitarbeitenden sowohl in den Schulen, als auch in den KiTas ausweiten. Besonders sind hierbei die Vertrauenslehrer*innen zu f\u00f6rdern, denn jedes Schulkind soll vor Ort wissen, an wen es sich wenden kann, wenn es Unterst\u00fctzung braucht und wo es sicher Hilfe bekommt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sollen schul\u00fcbergreifend niederschwellige, externe Beratungs- und Beschwerdestrukturen geschaffen werden, damit den Sch\u00fcler*innen auch sicher geholfen wird, wenn sie in der eigenen Schule an Grenzen sto\u00dfen. Dabei ist es jedoch wichtig, dass sowohl eine parteiische Beratung im Sinne der Betroffenen als auch verbindliche Beschwerdestellen mit entsprechenden Befugnissen f\u00fcr Sch\u00fcler*innen und Eltern verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<p>Auch Schulpersonal macht Rassismuserfahrungen \u2013 dagegen braucht es eine bessere Zusammenarbeit mit zust\u00e4ndigen Stellen wie der Landesantidiskriminierungsstelle (LADS) und Antidiskriminierung in der Arbeitswelt (ADA) und die dauerhafte Arbeit an Strukturen.<\/p>\n<ul>\n<li>4.2. Wir brauchen diskriminierungssensibles Lernmaterial<\/li>\n<\/ul>\n<p>Lehrpl\u00e4ne sind auch im Hinblick auf Diskriminierungssensibilit\u00e4t und geschichtliche Kontinuit\u00e4ten von Unterdr\u00fcckung und Diskriminierung wie Kolonialismus kritisch zu beleuchten und anzupassen. Perspektiven der Geschichtsschreibung, wie auch Schwerpunkte (z.B. auf antikolonialen Widerstand) sind dabei wichtige Aspekte. Demokratie und Menschenrechte m\u00fcssen als Querschnittsthemen in jedem Unterrichtsfach und in Projekten ihren Platz finden. Dabei darf es aber nicht bleiben, sondern es braucht massive Bem\u00fchungen zur Bewertung und Erstellung diskriminierungssensiblen und -kritischen Schulmaterials, das frei von Stereotypen ist. Unterrichtsinhalte, die in starkem Zusammenhang mit Diskriminierung stehen, wie Sexualp\u00e4dagogik, Geschichtsunterricht und in der Grundschule Sachunterricht m\u00fcssen dabei mit besonderer Priorit\u00e4t angegangen werden, damit sich diskriminierendes Wissen nicht etabliert.<\/p>\n<ul>\n<li>4.3. Wir wollen Schulpersonal, das empowert<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir m\u00fcssen mit Lehrkr\u00e4ften \u00fcber ihr grunds\u00e4tzliches Verst\u00e4ndnis von ihrer Profession und Aspekten wie Diversit\u00e4t diskutieren. P\u00e4dagogisches Arbeiten in der Schule heute muss Rahmen f\u00fcr Reflexion, Zusammenarbeit, gegenseitige Beratung und Supervision bieten, anstatt im Einzelk\u00e4mpfer*innen-Denken des vorletzten Jahrhunderts zu bleiben. Regelm\u00e4\u00dfige verpflichtende Fort- und Weiterbildung, sowie die Etablierung einer Feedback-Kultur zwischen allen Akteur*innen, also Schulleitungen, Personal, Sch\u00fcler*innen, Eltern, Beh\u00f6rde m\u00fcssen eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden.<\/p>\n<p>Ebenso sind vielf\u00e4ltige, externe Expert*innen in den Unterricht einzubeziehen, damit auch Nischenthemen der Antidiskriminierung ihren Platz finden und Menschen mit unterschiedlichen Diskriminierungserfahrungen auch aus der Betroffenenperspektive Sch\u00fcler*innen st\u00e4rken und zum Vorbild werden k\u00f6nnen. Auch kann es f\u00fcr Sch\u00fcler*innen angenehmer sein, die sehr pers\u00f6nlichen Fragen von Identit\u00e4t und der eigenen Positionierung mit externen Fachkr\u00e4ften zu besprechen.<\/p>\n<p>Diversit\u00e4t in den multiprofessionellen Kollegien m\u00fcssen wir mit gro\u00dfen Bem\u00fchungen vorantreiben, damit auch Personal mit unterschiedlichen Rassismuserfahrungen, queere Personen und behinderte Menschen in Schulen t\u00e4tig sind. In den Kollegien soll die Vielfalt unserer Gesellschaft ihren Anteilen entsprechend abgebildet sein.<\/p>\n<p>In allen schulinternen wie externen Ver\u00f6ffentlichungen soll nur geschlechtersensible Sprache verwendet werden.<\/p>\n<p>Gender-Selbstdefinitionen von Sch\u00fcler*innen sind zu akzeptieren. Damit verbundene neue Namen sind im Schulalltag genauso zu verwenden, wie auf Zeugnissen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich muss auch an Schulen der Landesaktionsplan gegen Homo-, Trans- und Interphobie und der Landesaktionsplan gegen Diskriminierung (zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention) umgesetzt werden.<\/p>\n<ul>\n<li>4.4. Wir wollen Mehrsprachigkeit f\u00f6rdern, weil sie eine St\u00e4rke ist<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Mehrheit der Sch\u00fcler*innen spricht mehrere Sprachen. Sprachen, die Kinder und Eltern sprechen, sind Teil von Identit\u00e4t und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung. Das Beherrschen mehrerer Sprachen stellt eine besondere Kompetenz dar, die h\u00e4ufig in Schulen verkannt und zu wenig im Sinne der Entwicklung von Kindern genutzt wird. Deshalb braucht es verst\u00e4rkt Konzepte, diese Mehrsprachigkeit besser in Schulen zu nutzen. In der Auseinandersetzung mit mehreren eigenen Sprachen k\u00f6nnen sich Kinder und Jugendliche umfassender mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Dabei darf es keine wertende Einteilung von Sprachen geben. Sch\u00fcler*innen, die Englisch oder Franz\u00f6sisch sprechen, bekommen daf\u00fcr Anerkennung und k\u00f6nnen diese F\u00e4higkeiten gut einbringen in der Schule. F\u00fcr andere Sprachen erfahren sie tendenziell Ablehnung, was koloniale Machtstrukturen reproduziert. Es muss nach Wegen gesucht werden, diese Hierarchien aufzubrechen. Ein Weg dahin kann die verst\u00e4rkte Integration vieler Sprachen in Lehr- und Stundenpl\u00e4ne sein, was auch das Absolvieren von Abschl\u00fcssen in m\u00f6glichst vielen Sprachen beinhaltet. Jede Sprache ist wertvoll, darf gesprochen und sollte in Schulen gef\u00f6rdert werden. Lehrkr\u00e4fte sollten die Mehrsprachigkeit von Sch\u00fcler*innen im Unterricht nutzen und f\u00f6rdern.<\/p>\n<ul>\n<li>5. Wir setzen Standards f\u00fcr digitale Schulen, die Technik und Wandel verstehen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Corona-Pandemie hatte auch eine positive Auswirkung. Ohne diese w\u00e4re der \u201eDigitalPakt\u201c noch nicht so weit:<\/p>\n<p>Einerseits sind alle Bremer Schulen und zum Teil auch die KiTas \u201edigitalisiert\u201c, d.h. die technischen Rahmenbedingungen sind sehr weit fortgeschritten. Sch\u00fcler*innen, Lehrkr\u00e4fte und p\u00e4dagogisches Personal sind mit Endger\u00e4ten ausgestattet. Aber schon jetzt m\u00fcssen wir an die Nachhaltigkeit dieses Vorgehens denken. Hardware und auch Software haben eine sehr beschr\u00e4nkte Haltbarkeitsdauer. Daraus ergeben sich ein dauerhafter Finanzierungsbedarf und nicht zu vernachl\u00e4ssigende Umweltbelastungen.<\/p>\n<p>Andererseits m\u00fcssen wir gro\u00dfe Defizite im Bereich der Digitalit\u00e4t, also dem sinnvollen Zusammenspiel digitaler und analoger Anteile, feststellen. Lehrende und Lernende m\u00fcssen in die Lage versetzt werden, digitale Werkzeuge in Lehr- und Lernprozesse so einzusetzen, dass sich f\u00fcr die Kompetenzentwicklung ein altersgerechter Mehrwert ergibt. Es sollen nicht die analogen Methoden ersetzt werden, sondern es muss sich ein methodisch-didaktisches und inhaltliches Gesamtkonzept f\u00fcr den Unterricht ergeben.<\/p>\n<p>Bei der Entwicklung hin zu einer Bildung der Digitalit\u00e4t, die gut abgestimmt analoge und digitale M\u00f6glichkeiten verbindet, m\u00fcssen vielf\u00e4ltige Aspekte beachtet werden. Diese sind als auf Langfristigkeit ausgerichteten Ma\u00dfnahmen umzusetzen, nicht als kurzfristige \u201cProjekte\u201d:<\/p>\n<p>IT-Ausstattung, also unter anderem Tablets, Schulcomputer und digitale Tafeln, m\u00fcssen verl\u00e4sslich und mit einem professionellen Support bereitgestellt werden. Jede Einrichtung braucht eine verantwortliche Funktionsstelle f\u00fcr die sinnvolle Einbindung an der jeweiligen Schule.<\/p>\n<p>Schulen und Lehrkr\u00e4fte ben\u00f6tigen Unterst\u00fctzung f\u00fcr dauerhafte und kontinuierliche Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozesse zur Etablierung ver\u00e4nderter schulinterner Curricula, p\u00e4dagogisch-didaktischer Beratungsprozesse, Datennutzung die f\u00e4cher\u00fcbergreifende Implementation des Lernens mit und \u00fcber Medien.<\/p>\n<p>Es ergeben sich ver\u00e4nderte Anforderungen an die Lehrkr\u00e4fteausbildung in Bezug auf das Lernen mit und \u00fcber Medien unter Einbezug der Fachdidaktiken. Au\u00dferdem braucht es kontinuierliche Qualifizierungsangebote f\u00fcr Berufst\u00e4tige im Bildungsbereich statt wenig wirksamer punktueller Fortbildungsangebote. Die bedarfsorientierte Bereitstellung dieser Fortbildungsangebote muss auf Kontinuit\u00e4t ausgerichtet und dauerhaft finanziell abgesichert sein.<\/p>\n<p>Digitale Vernetzungen und Kooperationen innerhalb der Schulen und dar\u00fcber hinaus sind ein wichtiges Potenzial, das genutzt und gef\u00f6rdert werden sollte.<\/p>\n<p>Inhaltlich sind Kompetenzen wie der Umgang mit dem Internet (Recherche, kritischer Umgang mit Quellen, Sicherheit im Netz) oder der Umgang mit Text- und Datenverarbeitungsprogrammen die Grundkompetenzen des 21. Jahrhunderts, die alle Sch\u00fcler*innen ihrer Schulkarriere lernen sollten, aber auch Grundkenntnisse des Programmierens sind wichtig f\u00fcr das bewusste Bewegen im digitalen Raum. Dar\u00fcber hinaus ist es wichtig, dass bereits beginnend in der Grundschule immer wieder Themen des digitalen, sozialen Umgangs wie Cyber-Mobbing und Social Media kritisch thematisiert werden.<\/p>\n<ul>\n<li>6. Wir wollen Lernen f\u00fcr die Zukunft f\u00f6rdern: Bildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung (BNE)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Tempo, in dem sich unsere globalisierte Welt ver\u00e4ndert und weiterentwickelt, nimmt stetig zu. Klimaver\u00e4nderungen, Ver\u00e4nderungen der Produktionsweisen und Arbeitsbedingungen durch Digitalisierung und Automatisierung, Ressourcenkonflikte und politische Spannungen sind einige Faktoren einer Welt mit vielfach vernetzten Herausforderungslagen.<\/p>\n<p>Dem Anspruch, junge Menschen auf diese Welt und die Herausforderungen der Zukunft bestm\u00f6glich vorzubereiten, gerecht zu werden, ist eine riesige Herausforderung. H\u00e4ufig besch\u00e4ftigen sich P\u00e4dagogik, Schulentwicklung und Bildungspolitik mit kleinen konkreten Fragestellungen und laufen dabei Gefahr, diese umfassende Problemstellung nicht ausreichend zu adressieren.<\/p>\n<p>Das erfordert eine grundlegende \u00dcberarbeitung von Lehrpl\u00e4nen mit dem Ziel, Wissen, Kompetenzen und neue Formen der Zusammenarbeit im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft zu vermitteln. Nur in der f\u00e4cher\u00fcbergreifenden, interdisziplin\u00e4ren und verkn\u00fcpfenden Auseinandersetzung k\u00f6nnen wir Kindern und Jugendlichen damit all das Werkzeug an Hand geben, um sich in einer ver\u00e4ndernden Welt zurechtzufinden.<\/p>\n<p>Wir wollen Bildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung (BNE) als Grundpfeiler unseres Bildungssystems etablieren. Statt curricularer Trennung der F\u00e4cher und der Unterteilung des Lernens in Fachunterricht braucht es die curriculare Verankerung von \u00fcbergeordneten Querschnittsthemen und Fragestellungen, die sich aus den Nachhaltigkeitszielen (SDGs) ableiten und aus verschiedenen Perspektiven behandelt werden.<\/p>\n<p>Solche gesellschaftlichen Schl\u00fcsselprobleme k\u00f6nnen z.B. folgende sein:<\/p>\n<ol>\n<li>Eine \u00f6kologisch nachhaltige Welt, die die Klimakrise auf unter 1,5\u00b0C begrenzt<\/li>\n<li>Demokratie und Partizipation als Grunds\u00e4tze allen Zusammenlebens<\/li>\n<li>Das Erk\u00e4mpfen (globaler) sozialer Gerechtigkeit<\/li>\n<li>Frieden und internationale Zusammenarbeit<\/li>\n<li>Geschlechtergerechtigkeit und der Abbau von allen Diskriminierungen<\/li>\n<li>Menschenrechte und Kinderrechte<\/li>\n<li>Eine digitale und sich immer weiter digitalisierende Welt<\/li>\n<li>Innovation und Arbeit<\/li>\n<li>Lebensbegleitendes Lernen<\/li>\n<li>Religion, Religi\u00f6sit\u00e4t und S\u00e4kularismus<\/li>\n<\/ol>\n<p>Junge Menschen werden dazu bef\u00e4higt, Zukunft zu gestalten, indem sie Verkn\u00fcpfungen herstellen zwischen den eigenen Erfahrungswelten und den behandelten Themen. Demokratie und Gestaltung von Transformation m\u00fcssen im Kleinen erlebt und im Gro\u00dfen verstanden werden. Eine grunds\u00e4tzliche Problemorientierung und projektbezogenes Lernen k\u00f6nnen eine gute Grundlage f\u00fcr das Lernen in Schulen bilden, sodass auch das Potenzial von Bildung als transformative Kraft genutzt wird.<\/p>\n<p>Neue Arbeitsweisen in der Schulen werden durch Fragen wie \u201eWas will ich herausfinden? Was brauche ich daf\u00fcr? Arbeite ich alleine oder im Team? Wo finde ich die passenden Informationen und wie verarbeite ich diese? Wie pr\u00e4sentiere ich meine Ergebnisse?\u201c angeregt. (Fach-)Lehrkr\u00e4fte werden daf\u00fcr zu Lernbegleiter*innen, die diese Lernprozesse begleiten, unterst\u00fctzen, anregen und einen Rahmen setzen.<\/p>\n<p>Diesen Wandlungsprozess einzuleiten, zu reflektieren und zu steuern, k\u00f6nnte \u2013 wie in Hamburg geschehen \u2013 \u00fcber einen \u201eMasterplan BNE 2030\u201c geschehen, der in Kooperation von der Verwaltung mit wissenschaftlicher Begleitung und der Unterst\u00fctzung und Beteiligung verschiedener zivilgesellschaftlicher Akteur*innen erarbeitet wird. Dabei ist es wichtig, dass bereits in der Erarbeitung beh\u00f6rden\u00fcbergreifende Kooperation durch klare Rahmenbedingungen und eine Koordinationsstelle erm\u00f6glicht wird.<\/p>\n<ul>\n<li>7. Wir wollen organisatorische Herausforderungen anpacken<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die zentrale Personengruppe in unserem Bildungssystem sind unsere Kinder und Jugendlichen, f\u00fcr sie wollen wir ein gerechtes System schaffen. Um das zu realisieren, sind Lehrkr\u00e4fte und ihre Ressourcen ein zentraler Hebel. Schule ohne sie w\u00e4re keine Schule. Dennoch haben sie eine hohe, im Zuge der Coronapandemie noch angewachsene Verwaltungslast zu bew\u00e4ltigen, zus\u00e4tzlich zu hohen Unterrichtsverpflichtungen. An vielen Schulen kommt hinzu, dass gro\u00dfe Teile der Sch\u00fcler*innenschaft in herausfordernden sozialen Verh\u00e4ltnissen leben. Viele Lehrer*innen begegnen den damit verbundenen Problemen mit einem hohen Grad an Engagement. Gleichzeitig haben es einige Schulen in diesen Lagen besonders schwer, was sich in eklatantem Personalmangel und der \u00dcberarbeitung und Entmutigung des dort t\u00e4tigen Personals \u00e4u\u00dfern kann.<\/p>\n<ul>\n<li>7.1. Wir wollen gute Personalentwicklung<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr eine vorausschauende Personalentwicklung braucht es eine regelm\u00e4\u00dfig aktualisierte Personalbedarfsprognose, die alle p\u00e4dagogischen Professionen an Schulen einbeziehen und in Abstimmung der verschiedenen Akteure (Hochschulen, Berufsbildende Schulen, LIS und Beh\u00f6rde und Schulen) erstellt werden muss. Aufgrund des Fachkr\u00e4ftemangels in den lehrenden, erzieherischen und sozialp\u00e4dagogischen Professionen muss die Anzahl an Studien- und Ausbildungspl\u00e4tzen insgesamt kurzfristig ausgeweitet werden. Mittelfristig muss entsprechend der Bedarfsprognose passgenau ausgebildet werden.<\/p>\n<p>Zu einem attraktiven Arbeitsplatz und einer qualitativen Entwicklung von Schule geh\u00f6rt auch ein gutes Konzept f\u00fcr die kontinuierliche Professionalisierung des p\u00e4dagogischen Personals. Dazu geh\u00f6ren regelm\u00e4\u00dfige Fort- und Weiterbildung, aber auch Instrumente wie Supervision, Feedbacksysteme und Hospitationen.<\/p>\n<ul>\n<li>7.2. Wir brauchen vielf\u00e4ltiges und multiprofessionelles Personal<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Vielfalt von Kindern und Jugendlichen an einer inklusiven Schule braucht ein vielf\u00e4ltiges, multiprofessionelles Personal. Keine Lehrkraft, kein Mensch kann die Erfordernisse allein bew\u00e4ltigen. So geh\u00f6ren neben den Lehrkr\u00e4ften, mittlerweile verschiedenste Professionen, wie Sonderp\u00e4dagog*innen, Sozialp\u00e4dagog*innen und Schulsozialarbeiter*innen, Erzieher*innen, Psycholog*innen, Heilerziehungs- p\u00e4dagog*innen, Sprachtherapeut*innen, Verwaltungskr\u00e4fte, K\u00fcnstler*innen und Hausmeister*innen, neben weiteren, zum Personal an Schulen.<\/p>\n<p>Es muss daher zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit in Kollegien werden, Unterricht und Schulalltag im Team zu planen und zu gestalten, Fallbesprechungen durchzuf\u00fchren und dadurch jedem Kind oder Jugendlichen die notwendige F\u00f6rderung oder Forderung zukommen zu lassen. Professionelle Teamarbeit verbessert nicht nur den Unterricht und die Beziehungen zwischen Sch\u00fcler*innen und Personal, sondern hat auch das Potential das p\u00e4dagogische Personal zu entlasten. Daf\u00fcr braucht es ausreichend Teamzeiten, die ebenso wie Unterricht in den Stundenplan geh\u00f6ren und ein wesentlicher Bestandteil von Arbeitszeit an Schule sein m\u00fcssen. Eine veraltete Denkweise in Hierarchien der Professionen ist dabei nicht zielf\u00fchrend und muss im Sinne des Teamgedankens und der professionellen Kooperation auf Augenh\u00f6he und mit Fokus auf das gemeinsame Ziel abgebaut werden.<\/p>\n<ul>\n<li>7.3. Wir wollen die Professionalisierung von Lehrkr\u00e4ften st\u00e4rken<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der bisherige Schwerpunkt der Lehrkr\u00e4fteausbildung liegt auf dem jeweiligen Unterrichtsfach. Das wird den realen Aufgaben einer zuk\u00fcnftigen Lehrkraft nicht gerecht.<\/p>\n<p>Zu einer guten Ausbildung geh\u00f6ren die reflektierende Auseinandersetzung mit der Berufsrolle und dem Berufsbild, mit multiprofessioneller Teamarbeit und dem Umgang mit der Vielfalt der Kinder und Jugendlichen und ihrer Lebenswelten. Eine kontinuierliche Reflexion der eigenen Praxis z.B. in Form von Supervision sollte eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit f\u00fcr das professionelle Berufsbild sein.<\/p>\n<p>Diese Themen sind auch wichtig w\u00e4hrend der berufsbegleitenden Fortbildung von Lehrkr\u00e4ften. Ziel von Fortbildung ist die Professionalisierung von Lehrkr\u00e4ften &#8211; diese dient einer Verbesserung des Unterrichts und damit auch der Bildungsgerechtigkeit, aber auch der Gesundheit von Lehrkr\u00e4ften. Fachspezifische Fortbildungen unterst\u00fctzen guten Unterricht.<\/p>\n<p>Fortbildung ist dann am effektivsten, wenn sie im Rahmen eines schulischen Fortbildungs- und Schulentwicklungskonzepts stattfindet, langfristig \u00fcber mehrere Monate mit Praxis- und Reflexionsanteilen angelegt und Teil eines Teamprozesses ist. Hier sind das LIS und die Abteilung Schulentwicklung und Fortbildung im Schulamt Bremerhaven (SEFO) gefragt, entsprechende Konzepte zu entwickeln und den Schulen anzubieten.<\/p>\n<ul>\n<li>7.4. Wir wollen Schulleitungen st\u00e4rken<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir wollen Schulleitungen st\u00e4rken, damit sie sich auf ihr Kerngesch\u00e4ft konzentrieren k\u00f6nnen: Schulentwicklungsprozesse professionell organisieren, Unterrichtsqualit\u00e4t sichern, eine Feedbackkultur etablieren, die Strukturen f\u00fcr die Arbeit multiprofessioneller Teams sichern und Kooperation durch bedarfsbezogene schulinterne Fortbildung f\u00f6rdern. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir sie von Verwaltungsaufgaben entlasten. Schnellstm\u00f6glich m\u00fcssen daher Schulleitungen an allen Schulen Verwaltungsleitungen an die Seite gestellt werden. F\u00fcr Schulleitungen sollte es au\u00dferdem keine Unterrichtsverpflichtung mehr geben.<\/p>\n<p>Schulleitung ist ein eigenst\u00e4ndiger, anspruchsvoller Beruf, f\u00fcr den es bislang keine Ausbildung gibt. Die Auswahl und F\u00f6rderung von f\u00fcr F\u00fchrungsaufgaben geeigneten Lehrkr\u00e4fte ist Aufgabe der Personalentwicklung durch die Schulleitungen. Das muss konzeptionell weiterentwickelt und institutionalisiert werden, sodass der mehrj\u00e4hrige Prozess der Wissensweitergabe fr\u00fchzeitig und kontinuierlich passieren kann. Die Eignung f\u00fcr diese F\u00fchrungsaufgabe muss vor der Ernennung nachgewiesen werden, w\u00fcnschenswert ist eine funktionsgerechte Auswahl von Schulleitungen.<\/p>\n<p>Allerdings geh\u00f6rt zur Wahrheit dazu, dass es an vielen Schulstandorten schwierig ist, \u00fcberhaupt Personal f\u00fcr Leitungsaufgaben zu finden. Durch die Entlastung bei den Verwaltungsaufgaben und der Unterrichtsverpflichtung, aber auch durch zus\u00e4tzliche Leitungsstunden, auch projektbezogen, wenn beispielsweise eine Sanierung oder ein Neubau ansteht, soll das Kerngesch\u00e4ft wieder mehr in den Mittelpunkt r\u00fccken und die \u00dcbernahme von Leitungsaufgaben grunds\u00e4tzlich attraktiver werden.<\/p>\n<p>Noch mehr als f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte muss Supervision f\u00fcr Schulleitungen eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden. Dies dient der Qualit\u00e4t von Schule und der Gesundheit aller Beteiligten.<\/p>\n<ul>\n<li>7.5. Wir wollen Qualit\u00e4tsmanagement und Schulentwicklung voranbringen<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr Schul- und Qualit\u00e4tsentwicklung sind die Schulen und die Bildungsbeh\u00f6rde gleicherma\u00dfen verantwortlich, haben dabei aber unterschiedliche Aufgaben. Hier ist eine gute Balance zwischen top-down und bottom-up wichtig.<\/p>\n<p>Politik und Schulverwaltung stellen einen verbindlichen Rahmen und die notwendigen Ressourcen zur Verf\u00fcgung. Sie verpflichten Schulen zu Ma\u00dfnahmen der Schul- und Unterrichtsentwicklung und garantieren die notwendige Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Die Schulen, angeleitet durch die Schulleitungen, entscheiden, welche Schritte der Schul- und Unterrichtsentwicklung sie in welcher Reihenfolge gehen wollen. Sie sind der Schulaufsicht gegen\u00fcber rechenschaftspflichtig.<\/p>\n<p>Es wird von den Beteiligten gemeinsam festgelegt, wann die Ma\u00dfnahmen an den Schulen evaluiert werden. Die Ergebnisse werden zur Grundlage der weiteren Schulentwicklungsprozesse.<\/p>\n<p>Das schlechte Abschneiden Bremens in deutschlandweiten Bildungstrends in Bezug auf die messbaren Kernkompetenzen in den F\u00e4chern Mathe, Deutsch, Englisch und Naturwissenschaften ist ein nicht hinnehmbarer Makel des bremischen Bildungssystems. Dabei steht f\u00fcr uns nicht im Fokus, wie wir im Vergleich zu anderen Bundesl\u00e4ndern dastehen, sondern die Sch\u00fcler*innen und die Teilhabem\u00f6glichkeiten, die sie durch Bildung erhalten oder die ihnen aufgrund mangelnder Bildungserfolge verwehrt bleiben. Insbesondere eine hohe Zahl an Sch\u00fcler*innen, die Mindeststandards nicht erreichen, ist Teil gravierender Ungerechtigkeiten, die im Bildungssystem entstehen oder fortgeschrieben werden. Diese Herausforderungen wollen wir u.a. mit gezielter Qualit\u00e4tsentwicklung angehen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurde das Institut f\u00fcr Qualit\u00e4t Bremen (IQHB) gegr\u00fcndet. Das IQHB hat die Aufgabe, eine umfassende datengest\u00fctzte Informationslage herzustellen, die eine differenzierte transparente Bewertung der Qualit\u00e4t des Bremer Bildungssystems zul\u00e4sst, woraus Ma\u00dfnahmen der Qualit\u00e4tsverbesserung initiiert werden sollen. Ein Referenzrahmen f\u00fcr die Schulqualit\u00e4t soll die f\u00fcr die Bildungsqualit\u00e4t verantwortlichen Akteure in ihrer Rechenschaftslegung unterst\u00fctzen und auf der Grundlage empirischer und statistischer Verfahren eine Qualit\u00e4tsentwicklung des Gesamtsystems erm\u00f6glichen. Daf\u00fcr notwendig ist ein gemeinsames Qualit\u00e4tsverst\u00e4ndnis. Zudem muss perspektivisch sichergestellt werden, dass alle Schulformen (auch die berufsbildenden Schulen) hierbei mit eingeschlossen werden.<\/p>\n<p>Um dem Ziel der Verbesserung bzw. Steigerung der Qualit\u00e4t des Bremer Bildungssystems n\u00e4her zu kommen, sollte kurzfristig auch eine externe Evaluation in das IQHB integriert werden, um die Schulen durch ein externes Feedback in ihren Qualit\u00e4tsentwicklungen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Schulaufsicht muss weiterentwickelt werden, um beratende und kontrollierende Funktionen wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Das Landesinstitut f\u00fcr Schule soll Garant einer datengest\u00fctzten Schul- und Unterrichtsentwicklungsbegleitung sein. Eigentlicher Ort der Qualit\u00e4tssicherung und -entwicklung sind die Schulen und KiTas selbst. F\u00fcr eine kurz- bis mittelfristige Qualit\u00e4tsarbeit sind diese Schnittstellen genau zu betrachten und mit Expertise und Mitteln auszustatten.<\/p>\n<p>Das IQHB f\u00fchrt an allen Schulen verbindlich und regelm\u00e4\u00dfig Lehrstandserhebungen durch und ber\u00e4t die Schulen, wie sie diese Daten interpretieren k\u00f6nnen und welche Ma\u00dfnahmen sich f\u00fcr die Unterrichtsentwicklung der jeweiligen Schule daraus ergeben. F\u00fcr diese Ma\u00dfnahmen braucht es Beratung, Material und Fortbildung, die durch das LIS \/ die SEFO zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im LIS und in der SEFO braucht es daf\u00fcr personell gut ausgestattete Abteilungen f\u00fcr Schulentwicklungsberatung, die die Schulen in ihren Schul- und Unterrichtsentwicklungen beraten und begleiten. Auch f\u00fcr Schulversuche und Reformschulen sollten sie ein wichtiger Ansprechpartner werden, damit auch das hier t\u00e4tige Personal externes Feedback und ein Korrektiv bekommen kann.<\/p>\n<ul>\n<li>7.6. Wir wollen \u00fcber die Arbeitszeit von Lehrkr\u00e4ften sprechen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Lehrkr\u00e4ftearbeitszeit ist traditionell definiert durch die Anzahl von w\u00f6chentlichen Unterrichtsstunden. Anwesenheit am Ort Schule ist daf\u00fcr fast ausschlie\u00dflich w\u00e4hrend der Unterrichtszeit erforderlich. Im Laufe der letzten Jahre st\u00e4ndig gewachsene notwendige T\u00e4tigkeiten wie Teamkonferenzen, Schul-, Qualit\u00e4ts- und Unterrichtsentwicklung, Beratung von Kindern, Jugendlichen und Eltern, Organisation von Freizeiten und Sport- oder Kulturveranstaltungen etc. werden deshalb von vielen Lehrkr\u00e4ften als ungerechtfertigte \u201eZusatzaufgaben\u201c empfunden.<\/p>\n<p>Lehrkr\u00e4fte verbringen sehr viel Zeit mit aufwendiger Unterrichtsvor- und -nachbereitung sowie dem Entwerfen und Korrigieren von Leistungsnachweisen. Diese Arbeit entspricht \u00fcblicherweise &#8211; und gef\u00f6rdert durch die f\u00e4cherkonzentrierte Schwerpunktsetzung in der Ausbildung &#8211; dem subjektiven Berufsbild einer Lehrkraft.<\/p>\n<p>Durch Schulentwicklungsprozesse und Fortbildung, bessere Teamarbeit, neue Pr\u00fcfungsformate und kreative Formen der Leistungsnachweise gibt es hier M\u00f6glichkeiten, Arbeitszeit anders zu verteilen. Untersuchungen zeigen, dass solche Ma\u00dfnahmen, hat eine Lehrkraft diese erst einmal in ihr Berufsbild integriert, erhebliche Entlastung und mehr Wohlbefinden im Beruf zur Folge haben.<\/p>\n<p>Langfristig halten wir eine andere Definition von Lehrerarbeitszeit f\u00fcr sinnvoll: eine nach Zeitstunden festgelegte Wochenarbeitszeit, in der alle Lehrkr\u00e4fte in der Schule alle T\u00e4tigkeiten erledigen, die f\u00fcr die Bildung und Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen notwendig ist. Daf\u00fcr sollen Arbeitspl\u00e4tze in der Schule zur Verf\u00fcgung stehen, aber auch mobiles Arbeiten und Homeoffice weiterhin m\u00f6glich sein.<\/p>\n<ul>\n<li>7.7. Wir wollen Lehrkr\u00e4fte entlasten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Lehrkr\u00e4fte sind h\u00e4ufig einer hohen Belastung ausgesetzt aufgrund der hohen Verantwortung f\u00fcr die ihnen anvertrauten Sch\u00fcler*innen und die intensive und umfangreiche Arbeit. Verschiedene Ma\u00dfnahmen in diesem Bericht, wie die St\u00e4rkung der multiprofessionellen Teamarbeit, mehr Personal, um die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen, aber auch bestimmte T\u00e4tigkeiten, wie IT-Support komplett zu \u00fcbernehmen, und Verbesserungen in Schulleitungen sind geeignet, Lehrkr\u00e4fte zu entlasten. Wir wollen, dass Lehrkr\u00e4fte dar\u00fcber hinaus gezielt von Verwaltungst\u00e4tigkeiten entlastet werden. Besonders in benachteiligten Stadtteilen an Schulen mit eklatantem Personalmangel ist die Belastungssituation der dort arbeitenden Lehrkr\u00e4fte. Hier wollen wir mit entsprechenden Programmen gezielt Lehrkr\u00e4fte f\u00fcr diese Schulen anwerben, wie dies z.B. in Berlin-Neuk\u00f6lln gelungen ist.<\/p>\n<p>Die Ver\u00e4nderungen im professionellen Selbstverst\u00e4ndnis sowie die Ver\u00e4nderung der Berechnungsgrundlage der Arbeitszeit bieten au\u00dferdem das Potenzial, Arbeitsbelastungen transparenter zu machen und so gezielte Ver\u00e4nderungen im Sinne der Besch\u00e4ftigten zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<ul>\n<li>7.8. Wir sehen strukturelle Herausforderungen und brauchen Reformierungen des Beh\u00f6rdenapparats<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Problem der bremischen Bildungspolitik ist die \u201cProjekthaftigkeit\u201d, mit der viele Herausforderungen aus den verschiedensten, teilweise in den vorigen Kapiteln aufgez\u00e4hlten Bereichen in der Vergangenheit in Angriff genommen wurden. So passieren Ver\u00e4nderungen nur an Schulen, die sich freiwillig melden, h\u00e4ufig nur auf wenige Jahre begrenzt oder als Versuch.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem besteht ein Missverh\u00e4ltnis zwischen politischen Beschl\u00fcssen der verantwortlichen, demokratisch legitimierten Gremien und deren Umsetzung auf bildungsbeh\u00f6rdlicher Ebene. Beschl\u00fcsse werden zum Teil \u00fcber Jahre hinweg verz\u00f6gert oder gar nicht umgesetzt, was nicht hinnehmbar ist aus demokratischer Grund\u00fcberzeugung und zum Nachteil der Sch\u00fcler*innen, Eltern und des Personals geschieht.<\/p>\n<p>Programme, Projekte und Schulversuche und Reformschulen, die an einzelnen Standorten oder \u00fcber begrenzte Zeitr\u00e4ume durchgef\u00fchrt werden, m\u00fcssen grunds\u00e4tzlich evaluiert werden \u2013 daf\u00fcr ist eine von Anfang an mitgeplante wissenschaftliche Begleitung sinnvoll. Aus diesen Evaluationen m\u00fcssen dann jedoch auch Konsequenzen folgen. Einerseits m\u00fcssen Erkenntnisse an den durchf\u00fchrenden Standorten genutzt werden, um die Arbeit dort ver\u00e4ndern oder weiterf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Wir wollen politisch die Weichen daf\u00fcr stellen, die Fortf\u00fchrung erfolgreicher Projekte zu verstetigen. Andererseits m\u00fcssen Wege gefunden werden, Erkenntnisse zu erfolgreichen Methoden und Strukturen in die Breite zu bringen. Daf\u00fcr muss unter anderem der Austausch zwischen den selbstst\u00e4ndigen Schulen ausgebaut und von der Beh\u00f6rde organisiert werden.<\/p>\n<p>Die Akzeptanz von politischen Ma\u00dfnahmen und Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in Parlament und Regierung k\u00f6nnen wir nur mit mehr Transparenz steigern. Ein Aussitzen unbequemer Beschl\u00fcsse muss unm\u00f6glich werden. Deshalb wollen wir zus\u00e4tzlich zu diesen Ma\u00dfnahmen eine Transparenzoffensive zum Controlling der politischen Beschl\u00fcsse starten. F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung muss klar sein, welche Reformvorhaben sich wo im Prozess der Umsetzung befinden.<\/p>\n<ul>\n<li>7.9. Wir wollen Schulbau verbessern<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Schulgeb\u00e4ude von heute wurden f\u00fcr ein Bildungssystem von gestern geplant. Inklusive Beschulung, Differenzierungsr\u00e4ume, l\u00e4ngere Betreuungszeiten, Ganztagsangebote mit Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung oder auch ein sich ver\u00e4ndertes p\u00e4dagogisches Programm in Schulen mit anderen kreativen AGs am Nachmittag, das Nutzen von neuen technischen M\u00f6glichkeiten, aber auch die gr\u00f6\u00dfere Bedeutsamkeit des Au\u00dfenbereichs an Schulen, um Bewegungsm\u00f6glichkeiten zu schaffen, k\u00f6nnen nur den Schluss zulassen, dass unsere Lernorte sich auch baulich ver\u00e4ndern m\u00fcssen. Die Schule von Morgen braucht andere bauliche M\u00f6glichkeiten. Von Kindern und Jugendlichen erwarten wir immer wieder, dass sie sich auf die Schule einlassen. Das m\u00fcssen auch endlich die Geb\u00e4ude tun.<\/p>\n<p>Durch neue flexible Klassenr\u00e4ume, die im Handumdrehen durch Trennw\u00e4nde aufgeteilt werden k\u00f6nnen, k\u00f6nnen auch andere p\u00e4dagogische Konzepte in die Realit\u00e4t umgesetzt, Ruhe- und R\u00fcckzugsr\u00e4ume f\u00fcr individuelle Lernphasen geschaffen und eine klassen\u00fcbergreifende Zusammenarbeit genutzt werden. Wer mit dem Klimawandel umgehen soll, muss auch ein neues Verh\u00e4ltnis zur Natur haben. Deswegen bekommen Schulr\u00e4ume, die eine schnelle \u00d6ffnung in den Au\u00dfenbereich erm\u00f6glichen, eine v\u00f6llig neue Rolle. Wir wollen Schulh\u00f6fe entsiegeln und zu Naturerlebnisr\u00e4umen umgestalten, in denen freies Spielen und \u201eeinfach drau\u00dfen sein\u201c m\u00f6glich ist. Und nicht zuletzt: eine inklusive Schule braucht nicht nur Pflegeb\u00e4der, Aufz\u00fcge, geschlechterneutrale Toiletten und barrierefreie Zug\u00e4nge zu den unterschiedlichen Bereichen, sondern schafft auch ein inklusives Zusammenleben in der Schulgemeinschaft und baut Barrieren ab.<\/p>\n<p>Die Schulgeb\u00e4ude der Zukunft werden aber nicht nur f\u00fcr den reinen Schulbetrieb geplant. Eine zunehmende \u00d6ffnung als Teil von Quartierskonzepten sollen sie sich als Orte \u00f6ffnen, die von allen Menschen aus einem Stadtteil genutzt werden k\u00f6nnen. Als B\u00fcrger*innenh\u00e4user, Veranstaltungs- und Lebensorte mit Caf\u00e9betrieb gepaart mit Beratungsangeboten st\u00e4rken wir den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.<\/p>\n<p>Epilog\/Nachwort:<\/p>\n<p>Wir wollen mit Menschen ins Gespr\u00e4ch kommen, mit euch und Ihnen die Zukunft unserer Bildung gestalten. Wir k\u00f6nnen gerechte Bildung nicht alleine Wirklichkeit werden lassen \u2013 gemeinsam beschreiten wir diesen Weg!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschluss des Landesvorstands, 09.05.2022, gem\u00e4\u00df dem Mitgliedervotum vom 30.04.2022 Positionen und Einordnung zur Bildungspolitik von B\u00fcndnis 90\/Die GR\u00dcNEN Bremen Vorwort Die im Fr\u00fchjahr 2021 eingesetzte Bildungskommission von B\u00fcndnis 90\/Die GR\u00dcNEN Bremen hat es sich zum Auftrag gemacht, \u00fcber neue Ziele und Wege f\u00fcr eine gerechte Bildung im 21. Jahrhundert nachzudenken. 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