{"id":8491,"date":"2021-07-19T16:19:03","date_gmt":"2021-07-19T14:19:03","guid":{"rendered":"https:\/\/gruene-bremen.de\/?p=8491"},"modified":"2022-02-04T10:07:37","modified_gmt":"2022-02-04T09:07:37","slug":"ticketlos-autofrei-feministisch-verkehrswende-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress44.gcms.verdigado.net\/alteseite\/ticketlos-autofrei-feministisch-verkehrswende-jetzt\/","title":{"rendered":"Ticketlos, autofrei, feministisch \u2013 Verkehrswende jetzt!"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Antrag wurde von der nicht beschlussf\u00e4higen Landesmitgliederversammlung am 18. Juli 2021 empfohlen und entsprechend der Empfehlung am 19. Juli vom Landesvorstand beschlossen.<\/em><\/p>\n<p>Die Klimakrise schreitet immer schneller voran. Einen gro\u00dfen Anteil am klimasch\u00e4dlichen CO2-Aussto\u00df bildet der Verkehrssektor, allein 2018 machte der Verkehrssektor 19 % des gesamten CO2-Aussto\u00dfes von Deutschland aus, Tendenz steigend. Deshalb m\u00fcssen wir in den n\u00e4chsten Jahren einen radikalen Wandel im Verkehr schaffen, um das 1,5-Grad-Ziel von Paris noch einhalten zu k\u00f6nnen.Neben dem Klimaschutzaspekt ist auch der soziale Bereich zu beachten. Gibt es kaum noch Autos in der Stadt, ist die Barrierefreiheit f\u00fcr Kinderw\u00e4gen, Rollst\u00fchle, Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge wesentlich besser gew\u00e4hrleistet. Au\u00dferdem k\u00f6nnen sich die Menschen wesentlich sicherer zu Fu\u00df oder auf dem Rad in der Stadt bewegen. Auch gleicher Zugang zu Mobilit\u00e4t f\u00fcr alle Menschen ist mit einem gut ausgebauten und ticketlosen \u00f6ffentlichen Personen Nahverkehr (\u00d6PNV) gegeben.<\/p>\n<p>Eine konsequente Verkehrswende ist also nicht nur klimagerecht, sondern auch sozial gerecht. Dabei darf nicht der Aspekt des unterschiedlichen Mobilit\u00e4tsverhaltens zwischen den Geschlechtern vernachl\u00e4ssigt werden.\u00d6PNV ausbauen!<\/p>\n<p>Das bisherige Angebot des \u00d6PNV in Bremen und Bremerhaven reicht an vielen Stellen nicht einmal aus, den heutigen Bedarf zu decken. Durch die unvermeidbare Verkehrswende wird der Bedarf weiter steigen. Deshalb braucht es einen massiven Ausbau des \u00d6PNV.<\/p>\n<p>Die bisherigen Planungen reichen bei weitem nicht aus und dauern viel zu lange. Bremen kann die Verkehrswende jedoch nicht allein schaffen. Wir fordern eine Investitionsoffensive des Bundes, die schnellere Planung und Umsetzung erm\u00f6glicht. Wir fordern, dass Bremen sich auf Bundesebene daf\u00fcr einsetzt, die Schuldenbremse so umzugestalten, dass sie Investitionen in klimafreundliche Infrastruktur auch auf kommunaler und L\u00e4nderebene erm\u00f6glicht. Denn vernachl\u00e4ssigte Infrastruktur ist eine Belastung f\u00fcr kommende Generationen.<\/p>\n<p>Wir unterst\u00fctzen daher das Konzept von Einfach Einsteigen und dem BUND Bremen, das Bremer Stra\u00dfenbahnnetz mehr als zu verdoppeln. Auch Bremerhaven muss wieder eine Stra\u00dfenbahn bekommen. Die RS1 muss alle 10-Minuten von Achim nach Bremen Nord fahren und weitere Haltepunkte im Bremer Stadtgebiet bekommen. Bei Stra\u00dfenbahn und Bus muss der 5-Minuten-Takt zum Standard werden. Insgesamt muss das Angebot besonders in den Tagesrandzeiten, nachts und am Wochenende ausgeweitet werden. Gerade junge Menschen sind auf den \u00d6PNV angewiesen und m\u00fcssen auch nach dem Feiern sicher, schnell und g\u00fcnstig nach Hause fahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Neben dem Stra\u00dfenbahnnetz m\u00fcssen auch die Busverbindungen ausgeweitet werden, insbesondere um eine kurzfristige Erweiterung des \u00d6PNV zu erm\u00f6glichen. Daf\u00fcr braucht es insbesondere Schnellbusverbindungen, um Fahrtzeiten zwischen den Stadtteilen zu verk\u00fcrzen und Rufbusse f\u00fcr ein fl\u00e4chendeckendes Angebot in den Randgebieten. Wenn Busse mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden, ist f\u00fcr das Klima jedoch wenig gewonnen. Die komplette Fahrzeugflotte muss daher klimaneutral werden. Die Entscheidung, welche Antriebstechnologie (Batterie oder Brennstoffzelle) f\u00fcr welchen Einsatz am besten geeignet ist, m\u00fcssen die Verkehrsbetriebe treffen, solange Strom und Wasserstoff zu 100 % aus erneuerbaren Energien stammen.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns geh\u00f6rt der Personennahverkehr zur \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge. Wir m\u00f6chten allen Menschen Mobilit\u00e4t erm\u00f6glichen. Busse und Bahnen m\u00fcssen deshalb nicht nur barrierefrei, sondern \u00fcberhaupt frei zug\u00e4nglich sein.Ein so gestalteter ticketloser \u00d6PNV soll im ganzen Bundesland gelten und f\u00fcr alle Bremer*innen und Bremerhavener*innen auch die Fahrt zwischen den beiden St\u00e4dten beinhalten.<\/p>\n<p>Ticketloser Nahverkehr bedarf allerdings der Einbindung in ein Gesamtkonzept. F\u00fcr die Verkehrswende bedarf es erheblicher finanzieller und personeller Anstrengungen, die nicht im Haushalt dargestellt werden k\u00f6nnen. Erst wenn deutlich erh\u00f6hte Finanzmittel und Personal f\u00fcr den Bereich Fu\u00df- und Radverkehr, merkliche Takt- und Qualit\u00e4tsverbesserung plus Angebotsausweitung von \u00f6ffentlichen Nahverkehr (\u00d6PNV), Schienenpersonennahverkehr und Regionalbuslinien sowie eine Carsharinginitiative hinzukommen und daf\u00fcr eine Finanzierung sichergestellt ist, wird daraus ein ganzheitliches Modell der Mobilit\u00e4tswende. Durch eine fl\u00e4chendeckende Parkraumbewirtschaftung mit einem gerechten Preis, erh\u00f6hte Bundesmittel und eine Pendler*innenabgabe ist eine Gegenfinanzierung m\u00f6glich. Diese Gesamtfinanzierung unseres Konzeptes ticketlos plus muss in einem Bremischen Mobilit\u00e4tsgesetz verbindlich geregelt werden.<\/p>\n<p>Damit klimafreundliche Mobilit\u00e4t zur bequemsten und g\u00fcnstigsten Alternative wird, fordern wir:<br \/>\n\u2022 Verdoppelung des Bremer Stra\u00dfenbahnnetzes bis 2035<br \/>\n\u2022 CO2-Neutrale Fahrzeugflotte bis 2030<br \/>\n\u2022 Einf\u00fchrung eines ticketlosen \u00d6PNV im Rahmen eines Gesamtverkehrskonzeptes und eines Mobilit\u00e4tsgesetzes<\/p>\n<p><strong>Eine Stadt f\u00fcr Menschen \u2013 nicht f\u00fcr Autos<\/strong><\/p>\n<p>Eine Stadt f\u00fcr Menschen ist eine Stadt mit weniger Autos. Autos sto\u00dfen nicht nur viel CO2 aus, sondern nehmen auch sehr viel Platz in Anspruch. Weniger Autos bedeuten mehr Raum f\u00fcr Gr\u00fcnfl\u00e4chen \u2013 k\u00fchlende Oasen in der Stadt, die mehr Wasser aufnehmen und gleichzeitig die Luftqualit\u00e4t erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem sind Gr\u00fcnfl\u00e4chen ein sozialer Ort, der den Aufenthalt in der Stadt attraktiver macht und soziale Kontakte st\u00e4rken kann.<\/p>\n<p>Deshalb ist es richtig, wenn der zur Verf\u00fcgung stehende Platz so verteilt wird, dass effektiver Klimaschutz garantiert und die Aufenthaltsquali\u00e4t in unseren St\u00e4dten gesteigert werden kann. Dazu braucht es eine fl\u00e4chendeckende Parkraumbewirtschaftung , die mit regelm\u00e4\u00dfiger Kontrolle sowie dem konsequenten Abschleppen falschgeparkter Fahrzeuge einhergeht. Weiterhin stellt die Parkraumbewirtschaftung eine finanzielle Einnahmequelle dar, die direkt dem Ausbau von Fu\u00df- und Radverkehr zugutekommen und so das Verkehrsnetz der Stadt aufwerten kann. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssen insbesondere enge Stra\u00dfen umgestaltet werden, sodass aus engen, zugeparkten Stra\u00dfen Verkehrswege entstehen, die f\u00fcr alle Menschen attraktiv sind: So kann bereits das Aufstellen von Pollern daf\u00fcr sorgen, dass Fu\u00dfwege wieder benutzbar werden und so Barrieren abgebaut werden. Barcelona, Paris, Kopenhagen und Amsterdam machen vor, wie eine moderne Stadtgestaltung aussieht. Bremen kann das auch.<\/p>\n<p>Um die Abkehr vom Auto zu erleichtern, braucht es einen Ausbau von Car- und Bike-Sharing-M\u00f6glichkeiten, insbesondere auch in Randgebieten der Stadt sowie im Umland. Diese m\u00fcssen gef\u00f6rdert, oder direkt aus \u00f6ffentlicher Hand bereitgestellt werden. So sind die B\u00fcrger*innen nicht mehr auf das eigene Auto angewiesen, k\u00f6nnen jedoch im Bedarfsfall auf ein Fahrzeug zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p>Das von unserer Senatorin Maike Schaefer in Auftrag gegeben ifeu-Gutachten zeigt klar auf, dass die von uns selbst gesteckten Klimaziele von Paris nur dann eingehalten werden k\u00f6nnen, wenn der Autoverkehr bis 2030 um 20-55% sinkt. Die Klimakrise und neue Anspr\u00fcche an Mobilit\u00e4t machen deshalb ein Umdenken n\u00f6tig \u2013 weg vom Auto und hin zu anderen Formen der Mobilit\u00e4t. Wir fordern deshalb den Senat auf, den Umstieg zu anderen Formen der Mobilit\u00e4t so zu erm\u00f6glichen, dass das Bundesland Bremen seine Klimaziele einhalten kann. Wir m\u00fcssen uns jetzt dem Auftrag des Pariser Klimaabkommens stellen und die wissenschaftlich begr\u00fcndeten Wege zur Erreichung dieser Ziele einschlagen.<\/p>\n<p>Um in Bremen eine Abkehr vom Auto zu schaffen, fordern wir:<br \/>\n\u2022 Eine fl\u00e4chendeckende, konsequente Parkraumbewirtschaftung<br \/>\n\u2022 Den Ausbau von Car- und Bike-Sharing<br \/>\n\u2022 Deutliche Reduzierung des Autoverkehrs bis 2030<\/p>\n<p><strong>Feministische Verkehrswende!<\/strong><\/p>\n<p>Die Mobilit\u00e4t der einzelnen Geschlechter unterscheidet sich aufgrund festgefahrener Rollenbilder und der traditionellen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern massiv. W\u00e4hrend M\u00e4nner laut aktueller Studienlage meistens nur wenige und tendenziell l\u00e4ngere Strecken am Tag fahren, legen Frauen wesentlich mehr, daf\u00fcr k\u00fcrzere Strecken pro Tag zur\u00fcck. So bringen sie beispielsweise die Kinder zur Schule oder in die Kita, gehen einkaufen oder k\u00fcmmern sich um Angeh\u00f6rige, und das meistens im eigenen Quartier.<\/p>\n<p>Dabei werden auch unterschiedliche Verkehrsmittel benutzt. M\u00e4nner nehmen h\u00e4ufiger das Auto, w\u00e4hrend Frauen \u00f6fter zu Fu\u00df gehen, das Rad benutzen oder als Beifahrerin mitfahren. Die Radwege sind jedoch oft nicht breit oder sicher genug, damit sich Radfahrer*innen gut durch die Stadt bewegen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Stattdessen teilen sie sich oft eine Fahrbahn mit den Autos oder m\u00fcssen Radwege benutzen, die zu schmal sind und keine Abgrenzung zum Fu\u00dfweg haben. Im Quartier selbst sind Radwege oft gar nicht oder kaum in guter Qualit\u00e4t vorhanden. <\/p>\n<p>Stattdessen wird sich oft darauf konzentriert, Fahrrad-Premiumrouten vom Umland in die Innenstadt zu bauen. Die braucht es auch f\u00fcr eine Verkehrswende, jedoch darf die Vernetzung innerhalb eines Quartiers nicht vernachl\u00e4ssigt werden.Verkehrsplanung ist derzeit am Stereotyp des in Vollzeit arbeitenden Mannes ausgerichtet. Feministische Mobilit\u00e4tspolitik hei\u00dft, unterschiedliche Lebensrealit\u00e4ten in Verkehrsplanung miteinzubeziehen und so eine f\u00fcr alle lebenswerte Stadt zu schaffen.<\/p>\n<p>Es braucht ein Mobilit\u00e4tsgesetz, in dem der Vorrang von Rad- und Fu\u00dfverkehr sowie \u00d6PNV gegen\u00fcber motorisiertem Individualverkehr festgeschrieben wird. Damit wird die Verkehrswende rechtlich auf sichere F\u00fc\u00dfe gestellt und kann besser umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Deshalb fordern wir:<br \/>\n\u2022\tSichere und breite Fahrradwege (protected bike lanes)<br \/>\n\u2022\tFl\u00e4chendeckende Radinfrastruktur in den Quartieren<br \/>\n\u2022\tEin Mobilit\u00e4tsgesetz, das den Vorrang von klimafreundlichen und platzsparenden Verkehrsmitteln festschreibt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Antrag wurde von der nicht beschlussf\u00e4higen Landesmitgliederversammlung am 18. Juli 2021 empfohlen und entsprechend der Empfehlung am 19. Juli vom Landesvorstand beschlossen. Die Klimakrise schreitet immer schneller voran. Einen gro\u00dfen Anteil am klimasch\u00e4dlichen CO2-Aussto\u00df bildet der Verkehrssektor, allein 2018 machte der Verkehrssektor 19 % des gesamten CO2-Aussto\u00dfes von Deutschland aus, Tendenz steigend. 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